Berlin : Freie Fahrt für Auszubildende

Integrationswerkstätten brauchen neues Auto

Lu Yen Roloff

So groß war die Resonanz noch nie: Fast 270 Vereine und Initiativen haben sich beim Tagesspiegel für die Spendenaktion beworben. Wir können 56 berücksichtigen - und stellen bis Weihnachten ausgewählte Initiativen stellvertretend vor. Heute: Ein Ausbildungprojekt für Jugendliche.

„Wumpf!“ Christian Mähler hockt auf dem Sandboden der Ausbildungshalle für Garten- und Landschaftsbau und übt mit einem massiven Gummihammer, eine Bodenplatte millimetergenau an eine andere Platte anzupassen. Als sich der ehemalige Punk und Obdachlose mit den vielen Piercings im Gesicht für ein neues Leben entschied, fand er lange Jahre keinen Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft: „Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.“ In den Integrationswerkstätten der Helmut-Ziegner-Berufsbildungs-GmbH (HZBB) in Treptow nennt Ausbilder Michael Götz seinen Azubi aber schon nach vier Monaten Ausbildung „unseren Primus“.

So wie Mähler bekommen viele Jugendliche mit abgebrochener Schulausbildung, Behinderungen, psychischen Problemen oder nach einer Zeit im Jugendgefängnis bei der HZBB die Chance, sich als Gärtner, Tischler, Schilder- und Lichtreklamehersteller oder Sanitäts- und Heizungsmechaniker ausbilden zu lassen. Die Sozialarbeiter bieten daneben Lebenshilfe an, übersetzen etwa Behördendokumente, helfen bei Verschuldung oder bei der Wohnungssuche. Auch Förderunterricht bei Problemen mit Lesen und Rechnen gehört dazu. „Von 150 Lehrlingen bestehen höchstens zwei die Ausbildung nicht“, sagt Leiterin Andrea Aßmann stolz. Neben den Übungsstunden in den Werkstätten auf dem Gelände gehört für die Azubis die praktische Arbeit an gemeinnützigen Projekten dazu. So bauten die Gärtner einen Rundweg für ein Demenzkrankenheim und pflegten Spielplätze für Kitas, die Tischler renovierten eine Wärmestube für obdachlose Menschen. Bei solchen Anlässen kommt das „grüne Monster“, ein alter Lkw zum Einsatz, der die Azubis und das Material zu den Baustellen bringt. Aber der Wagen gibt bald seinen Geist auf: „Die Gänge gehen nicht mehr richtig, manchmal säuft der Wagen fast ab und es gibt nicht genügend Platz“, sagt Azubi Mähler. Werkstättenleiterin Andrea Aßmann und auch der Azubi würden sich sehr über Spenden der Tagesspiegel-Leser freuen – denn mit einem gebrauchten, zuverlässigen Transporter könnte man die erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Lu Yen Roloff

Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kontonr.: 250 030 942, BLZ: 100 500 00, auch Online-Banking ist möglich. Spendenbelege können wir Ihnen diesmal schneller zuschicken.

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