Berlin : Freie Schulen werben für Chancengleichheit

20 Einrichtungen veranstalten am Sonntag Tag der offenen Tür

Sonja Praxl

Das katholische Canisius-Kolleg, die freien Waldorfschulen, die Jüdische-Oberschule, die Berlin International School – die Liste der freien Schulen in Berlin ist lang. 121 von ihnen gibt es, und fünf Prozent aller Berliner Schüler werden hier unterrichtet. Ihr Beitrag zur Berliner Bildungslandschaft wird von der Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen. Man kennt sie allenfalls als „Privatschulen“, aber „das erweckt den Eindruck, wir seien nur für eine privilegierte Minderheit offen“, sagt Pater Klaus Mertes vom Canisius-Kolleg. Dabei sind sie genauso öffentlich wie andere Schulen auch. Viele von ihnen erheben zum Beispiel ein gestaffeltes Schulgeld, je nach Einkommen der Eltern.

Um jetzt auf ihre Bildungsarbeit aufmerksam zu machen, veranstalten die Schulen am Sonntag gemeinsam den ersten Tag der freien Schulen in Berlin. Neben drei zentralen gemeinsamen Veranstaltungen – einer Gala, einem interreligiösen Gebet und einem Informationsmarkt – haben über 20 der Schulen ihre Türen geöffnet und laden ein zum Tag der offenen Tür.

Die Aktion ist keine Werbeveranstaltung. „Das wäre gar nicht nötig“, sagt Manfred Hermann vom Evangelischen Konsistorium. „Unsere Schulen können sich über mangelnden Zulauf nicht beklagen.“ Vielmehr soll das Bewusstsein für ihre Arbeit gestärkt werden. Die freien Träger sehen sich nämlich von der Berliner Sparpolitik bedroht.

Die freien Schulen erhalten in Berlin einen Personalkostenzuschuss. Der ist in seiner Höhe an die Personalkosten der staatlichen Schulen gekoppelt und macht 95 Prozent dessen aus, was die Stadt für Personal an ihren Schulen ausgibt. Die Kosten für Gebäude oder Unterrichtsmaterial müssen private Schulen aus anderen Quellen decken, zum Beispiel Schulgeld. Spart die Stadt an ihren Lehrern, sinkt automatisch auch der daran gekoppelte Zuschuss für die freien Schulen. „Das finden wir in Ordnung“, sagt Andreas Wegener vom Verein der privaten Kant-Schulen. Was ihn aber ärgert, ist, dass der Personalkostenzuschuss bereits im vergangenen Jahr von 97 Prozent heruntergekürzt worden war, und dass 2004 eine erneute Kürzung auf 93 Prozent ansteht. „Das ist ein ungerechtes Sonderopfer.“ Die freien Schulen fordern Chancengleichheit mit den staatlichen Schulen. Denn am Ende müssen sie ihre fehlenden Zuschüsse auf das Schulgeld umlegen, und damit würden sie für viele Familien unerschwinglich.

Über das Angebot aller beteiligten Schulen können sich Interessenten am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr in der Evangelischen Akademie des Französischen Doms am Gendarmenmarkt informieren.

Das Programm im Internet:

www.freie-schulen-berlin.de

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