Berlin : Freiheit, Früchte und ein Fiat

Ökumenischer Autosegen in der Christuskirche in Oberschöneweide

G,a Bartels

In der hundertjährigen Backsteinbasilika St. Antonius an der Griechischen Allee sitzt ein einsamer Herr still ins Gebet versunken. Die anderen Katholiken sind ausgeflogen. Wohin? Zehn vorsichtig geschlidderte Minuten weiter östlich lädt die evangelische Christuskirche in der Firlstraße zum ökumenischen Gottesdienst. Sie ist der zweite monumentale Kirchbau, der in dieses einzigartige Fabrikquartier geplant wurde. Elektrifiziert 1908 direkt von der AEG. Frisch zurechtgebaut steht sie seit zwei Jahren zwischen den Baugerüsten des Sanierungsgebiets Oberschöneweide und versucht, Kirche und Stadtteilzentrum zugleich zu sein.

Den Gottesdienst zum Abschluss der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen hält ein geistliches Dreigestirn. Gemeindepfarrerin Annette Schwer ist als Hausherrin für die Begrüßung der gemischten Christenschar zuständig. Der junge Priester Matthias Ullrich von St. Antonius übernimmt den spirituell-meditativen Part und bittet alle, eine Weile gegen den Lärm der Welt anzuschweigen. Und Pastor Ralf Peter Greiff von den evangelisch-freikirchlichen Baptisten predigt. Und zwar über das Gebetswochenmotto aus dem Markusevangelium: Christus macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen. Jeder Christ sei eingeschlossen in Traditionen, Denkmuster, Glaubenssätze, Liturgien und theologische Positionen. „Seit 2000 Jahren stehen sie der Weite und Freiheit des Evangeliums entgegen.“ Er könne verstehen, wenn Kirchen versuchten, ihre Traditionen zu bewahren. Nur sollten dadurch keine Kräfte verloren gehen.

Und dann strömen Methodisten, Baptisten, Katholiken, Landes- und Freikirchler raus und schauen zu, wie die jüngste Frucht ihrer wundersamen Zusammenarbeit mit Weihwasser gesegnet wird: ein silbergrauer Fiat-Transporter. Damit werden zukünftig Brot, Obst oder Joghurt für die diakonische Aktion „Laib und Seele“ in Oberschöneweide, Johannisthal und Köpenick herumgekarrt.

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