Berlin : Freiheit für oder von der Religion?

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Begegnungsmodell, Fenstermodell, Fächergrupppenmodell und ein Schulversuch, der mittlerweile im achten Jahr läuft. Aber das alles interessiert die bildungspolitische Sprecherin der Berliner SPD-Fraktion wenig. Felicitas Tesch ist es am liebsten, wenn in Sachen Religionsunterricht an den Berliner Schulen alles beim Alten bleibt. "Ich sehe im Moment frühestens bei einer Fusion von Berlin und Brandenburg Handlungsbedarf", sagte sie am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema "Nach dem L-E-R-Kompromissvorschlag: Wie geht es weiter in Berlin?". Am ehesten kann sich Tesch für Berlin ein Modell vorstellen, bei dem sich in bestimmten Zeitfenstern unterschiedliche Religions- ud Glaubensgemeinschaften vorstellen, das so genannte Fenstermodell also.

Ihre Kollegin von der PDS-Fraktion, Siglinde Scheub, findet die bisherige Berliner Regelung zwar auch "durchaus befriedigend", macht sich gleichzeitig aber stark für ein LER-Modell nach Brandenburger Muster: "Berliner Schulen brauchen ein weltanschaulich neutrales Fach, das ethisch-philosophische und religionskundliche Kenntnisse vermittelt - für alle Kinder, unabhängig von ihrer religiösen Herkunft." Der Vergleichsvorschlag des Bundesverfassungsgerichtes habe deshalb für Berlin Bedeutung, weil LER ein solches integratives, neutrales Fach sei.

Solche Ideen können Hans-Peter Richter, der im Erzbischöflichen Ordinariat für die Schulen zuständig ist, und seinen evangelischen Kollegen Steffen R. Schultz von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg nur den Kopf schütteln lassen. Denn erst Kinder, die in einem richtigen Schulfach Religion angehalten werden, sich mit ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen, seien zum interreligiösen Dialog fähig. Schultz und Richter fordern: "Nicht Freiheit von Religion, sondern Freiheit für Religion."

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