Berlin : Freispruch für Broder

12.07.2006 00:00 UhrVon -

Publizist stand wegen Beleidigung vor Gericht

Nun steht es also unentschieden – in der Dauerfehde zwischen dem jüdischen Journalisten Henryk M. Broder und dem Verleger Abraham Melzer. Gestern saßen sich die beiden Kontrahenten im Amtsgericht Tiergarten gegenüber, nachdem Melzer den Publizisten wegen Beleidigung angezeigt hatte. Doch der Punkt ging diesmal an Broder: Das Gericht sprach den 59-Jährigen nach einer kurzen Verhandlung frei. „Die Äußerung war noch von der Meinungsfreiheit geschützt“, urteilte die Richterin im Saal 370.

Melzer und Broder, einst gute Freunde, kennen sich seit 45 Jahren, befinden sich aber seit geraumer Zeit im Dauerstreit. Entzündet hatte sich ihre aktuelle Auseinandersetzung am Buch „Das Ende des Judentums“ von Hajo Meyer, einem jüdischen KZ-Überlebenden.

In dem Buch, das in Abraham Melzers gleichnamigem Verlag erschienen ist, hatte Meyer die These vertreten, die Juden seien am Antisemitismus im Wesentlichen selber schuld und benähmen sich heute in Israel wie damals die Nazis im besetzten Europa. Broder hatte darauf auf eigene Art reagiert und einen Artikel auf seiner Internetseite veröffentlicht, unter der Überschrift: „Holo mit Hajo – Wie zwei Juden den Hitler machten.“

Melzer gilt nicht gerade als zartbesaitet, in Briefen hat er Broder schon als „charakterlosen, heuchlerischen, drittklassigen Winkeljournalisten“ bezeichnet, der sich gerne „im antisemitischen Kot“ wälze. Gestern im Prozess aber sagte der 61-Jährige, dass ihn Broders letzter Artikel „verletzt und schockiert“ habe. Also erwirkte der Verleger erst in Frankfurt am Zivilgericht eine einstweilige Verfügung gegen die schärfsten Formulierungen in Broders Artikel und erstattete dann Strafanzeige in Berlin. Im Dezember fand Broder einen Strafbefehl über 1500 Euro im Briefkasten – und legte Widerspruch ein. Das Urteil im Frankfurter Hauptverfahren wird erst im Herbst erwartet.

„Dass die beiden mit ihrer persönlichen Fehde jetzt die Gerichte beschäftigen, ist eigentlich ein dickes Ding“, sagte der Staatsanwalt, bevor auch er auf Freispruch plädierte. Und noch in einem anderen Punkt zeigten sich Ankläger und Richterin einig: „Es ist fraglich, ob man sich auf diesem Niveau auseinander setzen muss.“ Doch die Mahnung konnte Broders guter Laune nichts mehr anhaben. „Die 1500 Euro werden jetzt verjubelt. Ich fliege übermorgen nach Island“, verkündete er im Gerichtsflur. kf

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