Berlin : Freispruch für mutmaßlichen Autozündler

Auch für den Staatsanwalt gab es keinen Beweis: Der 36-jährige Martin H., der fünf Wochen als mutmaßlicher Autozündler in Haft saß, ist am Donnerstag vom Vorwurf der Brandstiftung freigesprochen worden. Wie es am 12. Juni in einem Hinterhof in der Lichtenberger Türrschmidtstraße zum Feuer kam, sei im Prozess nicht geklärt worden, urteilte eine Amtsrichterin. Gegen H. hätten zwar einige Indizien gesprochen. „Vieles aber spricht dagegen, dass er damit zu tun hatte.“ Mehrere Brandgutachten hatten den Gerüstbauer eindeutig entlastet.

Für die Ermittler schien der Fall schnell klar. Martin H. war in jener Nacht in ein Lokal zurückgekehrt, das er eine Stunde zuvor verlassen hatte. Er sagte der Wirtin, dass ein Mercedes in Flammen stehe. Gesicht und Hände des angetrunkenen Mannes waren schmutzig. In der Kneipe hielt man ihn schnell für den Täter. H. wurde von anderen Gästenfestgehalten und gegenüber der Polizei lautstark beschuldigt. Ein Zeuge sagte, er habe H. kurz zuvor an der Hofmauer gesehen. „Die Zeugen waren zum Teil widersprüchlich“, hieß es im Urteil. H. hatte den Polizisten erklärt, er habe im Suff ein Auto klauen wollen. Daher stamme der Dreck. „Dem ist man leider nicht nachgegangen“, kritisierte die Richterin. An Händen und Kleidung von H. habe es keinerlei Spuren eines Brandbeschleunigers gegeben. Für die U-Haft wurde ihm eine Entschädigung zugesprochen. Verurteilt aber wurde H. als Mai-Randalierer: Im Prozess hatte er einen Flaschenwurf in Richtung Polizei gestanden. Das Amtsgericht verhängte zehn Monate Haft auf Bewährung. dpa

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