Berlin : Freitag nach eins staut jeder seins

Warum es in und um Berlin, aber vor allem im Norden eng wird

-

In Berlin und Brandenburg haben die Ferien begonnen. Auf den Autobahnen und Bundesstraßen in und um Berlin sowie auf den Bahnhöfen (siehe Kasten) herrschte gestern noch weitgehend die Ruhe vor dem Sturm. Es gab zwar vor den Baustellen auf dem östlichen und westlichen Berliner Autobahnring zeitweilige Staus. Aber länger als 15 Minuten musste kein Autofahrer anstehen.

Am heutigen Freitag muss vom frühen Nachmittag an rund um Berlin mit Staus gerechnet werden. Auch in der Stadt wird es eng werden. Vor allem rund um die Straße des 17. Juni dürfte sich der Verkehr stauen, denn die Straße ist wegen einer Laufveranstaltung von 10 Uhr morgens bis Samstag um 1 Uhr zwischen Entlastungs und Eberststraße gesperrt. Außerhalb Berlins dürften in diesem Sommer besonders die Strecken ins seenreiche nördliche Brandenburg und an die Ostsee dicht sein. „Laut einer Umfrage plant ein Drittel aller Berliner dieses Jahr keine längere Urlaubsreise. Da macht sich ein großer Teil sicher zu einem Kurzausflug auf den Weg“, sagt Christian Tänzler, Sprecher der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH. „Viele leisten sich aber keinen oder zumindest keinen längeren Hotelaufenthalt, so dass sie hin- und herfahren.“ Auch in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern führt die Ebbe im Portmonee zu einer Änderung der Urlaubsrichtung. Statt Italien oder Südfrankreich heißt das Reiseziel Mecklenburg-Vorpommern oder ein schönes Gewässer dazwischen.

Doch ausgerechnet die Autobahnen nach Usedom (A 11 Richtung Prenzlau und weiter auf der A 20) sowie nach Rostock (A 24 und A 19) können diesen zusätzlichen Ansturm kaum verkraften. Die Trasse nach Prenzlau hat durch Bauarbeiten hinter Pfingstberg auf mehreren Kilometern nur eine Spur auf einer Holperpiste. Staus sind auch auf der vor 20 Jahren eröffneten Strecke Berlin-Hamburg vorhersehbar. Schon seit Jahren reicht deren Kapazität in Spitzenzeiten trotz Tempolimits von 130 Stundenkilometern nicht mehr aus. Vor allem das Dreieck Havelland, wo die A 24 vom Berliner Ring abzweigt, gleicht einem Nadelöhr. Hier treffen die Urlauber und Lkw-Kolonnen aus dem Süden und Westen auf die Fahrzeuge aus Berlin, dem östlichen Brandenburg und Sachsen.

Abhilfe ist kurzfristig nicht in Sicht. Da dem Bundesverkehrsministerium das Geld fehlt, wird der nördliche Autobahnring vom Dreieck Schwanebeck bis zur Ausfahrt Neuruppin auf der A 24 verkauft. Private Investoren sollen die Strecke sechsspurig ausbauen und sie anschließend dem Staat verpachten. Der holt sich das Geld von den Einnahmen aus der Lkw-Autobahn-Maut. Die ersten Kameras für die Vignetten auf der Frontscheibe stehen schon auf großen Brücken – beispielsweise zwischen Rüdersdorf und Erkner.

Die Ausschreibungen für das Pilotprojekt eines privaten Autobahnbaus laufen. „Vor 2005 werden die Arbeiten nicht beginnen“, sagt Cornelia Mitschka vom Brandenburgischen Autobahnamt. Ihre Behörde rechnet mit mindestens vier Jahren Bauzeit. Der sechsstreifige Ausbau des westlichen Rings beginnt erst nach 2006, während der östliche Abschnitt zwischen Schwanebeck bis zum Schönefelder Kreuz ab 2005 ohne Behinderungen befahren werden kann. Zwei Jahre später könnten die Bauarbeiten für den 40 Kilometer langen Brandenburger Abschnitt der neuen A 14 zwischen Magdeburg und Schwerin beginnen. ste/lvt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben