Berlin : Freiwillige Boxen-Kontrolle

Mediziner warnen vor Hörschäden durch Diskos. Der Frannz-Club reagiert: Hier spielt die Musik nicht mehr lauter als 99 Dezibel.

Julian Heissler

Das Berliner Qualitätssiegel „Freiwillig kontrollierte Lautstärke“ ist ein eher schmuckloser Aufkleber. Ihn zieren ein Ohr und stilisierte Schallwellen vor pastellfarbenem Hintergrund. Seit gestern klebt er an der Tür des Frannz-Clubs in Prenzlauer Berg. Das Siegel weist darauf hin, dass hinter der Tür darauf geachtet wird, den Publikumsohren nicht mehr ständig die Lautstärke eines startenden Kampfflugzeugs zuzumuten – wie es in Clubs und Diskotheken oft üblich war.

Der Frannz-Club ist der erste Club in Berlin, der dieses Siegel von der Gesundheitsverwaltung und der Techniker-Krankenkasse (TK) erhalten hat. Dafür verpflichtete sich Besitzer Ingo Witzmann, die Musik nicht mehr lauter werden zu lassen als 99 Dezibel. Das entspricht dem Pfiff einer Schiedsrichterpfeife.

Denn es gibt Handlungsbedarf. Allein im letzten Jahr haben sich laut TK die Verschreibungen von Hörgeräten für 15 bis 30-Jährige fast verdreifacht. „Wir müssen uns auf einen weiteren Anstieg schwerhöriger junger Menschen in den nächsten Jahren einstellen“, sagt Susanne Hertzer von der TK Berlin. Einer der Gründe dafür sei zu laute Clubmusik. Die Landesgesundheitsminister fordern deshalb die Clubs auf, die Musik nur noch leiser als 100 Dezibel abzuspielen. Noch ist es ein Vorschlag – doch sollten nicht genug Clubs dem Beispiel des Frannz folgen, droht eine gesetzliche Regelung.

Die Stimmung im Frannz sei durch die leisere Musik übrigens nicht schlechter geworden, versichert Club-DJ Triplegym. Der Trick sei, mit der Musik gar nicht erst so laut anzufangen. Denn die Gäste sollen die Veränderung möglichst nicht merken: „Wir wollen ja nicht das Image, der leiseste Club Berlins zu sein“, sagt Triplegym.

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