Freizeit : Hundealarm: Spießrutenlauf am Grunewaldsee

Hundehalter nutzen nur kleine Flächen am Grunewaldsee, sagt der Senat und dieses so intensiv, dass die Natur leidet. Die Hundemassen im Grunewald strapazieren die Toleranz von Tierfreunden und Erholungssuchenden.

Werner Kurzlechner

 „Die Umrundung des Grunewaldsees wird mehr und mehr zum Spießrutenlauf“, schreibt Nutzer „Columbo“ im Internetforum des Tagesspiegels. Seine zweijährige Tochter sei im vergangenen Winter in kurzer Zeit „geschätzte zehn Mal von Hunden angefallen, angekläfft und gejagt“ worden. Es falle schwer zu akzeptieren, dass der schöne Ort mittlerweile eine „No-go- Area“ für Nicht-Hundehalter sei. Hundehalter verweisen im Forum auf die Steuer von mindestens 120 Euro jährlich für ihre Tiere, für die auch eine Gegenleistung zu erwarten sei.

Der Senat denkt allerdings derzeit nicht daran, durch ein neues Auslaufgebiet von vergleichbarer Dimension – wie es eine Initiative in Treptow-Köpenick fordert – den Grunewald zu entlasten. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Mirco Dragowski hervor. Die Ausweisung neuer Auslaufgebiete sei nicht geplant, heißt es darin.

Zwölf Auslaufgebiete mit einer Fläche von insgesamt 1250 Hektar gibt es in Berlin. Die 100 000 Berliner Hunde dürfen sich dort ohne Leine in den Wäldern austoben und in den Gewässern in aller Regel baden. Mit 870 Hektar ist der Grunewald östlich der Avus das mit Abstand größte dieser Gebiete.

Ins Rollen brachte die Debatte über das Miteinander von Natur, Menschen und Hunden jetzt ein lediglich 100 Meter langer Zaun am Nordwestufer des Grunewaldsees. Die Absperrung ist laut Berliner Forsten unumgänglich, um ein Abrutschen des Spazierwegs zu verhindern. Guido Zörner vom Verein „Hunde in Berlin“ kritisierte daraufhin, dass die zunehmende Zahl von Absperrungen im Grunewald die Hundehalter auf immer engerem Raum zusammendränge. Dies führe zu Belastungen für die Natur, weshalb zusätzliche Auslaufgebiete sinnvoll seien. Forstensprecher Marc Franusch argumentiert, dass die zum Teil mehrjährige Sperrung von Uferzonen ihrer Renaturierung und letztlich auch den Hundehaltern diene. „Für uns sind solche Entscheidungen immer eine Gratwanderung“, bekennt Franusch.

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Die Antwort des Senats auf die FDP- Anfrage liefert durchaus Futter für Zörners Argumentation. Tatsächlich würden nur kleine Teilflächen des Grunewalds in Parkplatznähe und an den Gewässern – neben dem Grunewaldsee auch an Schlachtensee und Krummer Lanke – von den Hundebesitzern intensiv genutzt. „An diesen Stellen kommt es dann durch die Übernutzung zu erheblichen Erosionserscheinungen“, berichtet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dies beeinträchtige vor allem die Bäume und Pflanzen an den Uferzonen. Konsequenzen will der Senat aus dieser Analyse aber nicht ziehen, während etwa die FDP das Bürgerbegehren für mehr Auslaufflächen in Berlin Treptow-Köpenick unterstützt.

Die Liberalen fordern auch mehr Tütenspender und Abfallbehälter als Maßnahmen gegen Hundekot. Für die Müllentsorgung sei jeder selbst verantwortlich, hält die Senatsverwaltung entgegen. Wo Abfalleimer abmontiert wurden, sei bislang das Müllaufkommen gesunken.

Berlin will das Miteinander von Hunden und Menschen auf anderen Wegen fördern: Forstamtsmitarbeiter würden vor Ort immer wieder darauf hinweisen, dass auch in einem Hundesauslaufgebiet die öffentliche Erholung für jeden Menschen Vorrang genieße, so der Senat. Ziel sei es, um Akzeptanz, Rücksicht und Toleranz zu werben.

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