Berlin : Fremdeln mit Berolina

Roswitha Beck, die Ehefrau des SPD-Chefs, mag die Hauptstadt nicht so sehr Vom Image der Metropole bei First Ladys können Politikerkarrieren abhängen

Elisabeth Binder

Als es damals um den Regierungsumzug ging, hatten die Gegner Berlins schlagkräftige Argumente: Zu groß, zu gefährlich, zu gottlos, zu laut, zu rempelig, zu rau. Nun wird Berlins Image immer besser. Das ist auch gut so, denn von der Strahlkraft Berlins hängen seit dem Regierungsumzug Politikerkarrieren ab. Wie in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet, hat Roswitha Beck, die Frau des SPD-Chefs der Zeitschrift „Bunte“ anvertraut, dass über eine Kanzlerkandidatur ihres Mannes 2009 „das letzte Wort noch nicht gesprochen“ sei. Sie selber findet Berlin zwar gut zum Shoppen, hat aber ansonsten das Gefühl, „dass alles so unehrlich und übertrieben“ ist.

Kann sein, dass sich die Karlsruher Friseurin einfach nicht einem Hype à la Udo Walz aussetzen möchte. Aber das muss nicht unbedingt gegen eine Kanzlerkandidatur sprechen. Doris Schröder-Köpf ist auch zu Hause in Hannover geblieben und setzte sich trotzdem gelegentlich dem Verdacht aus, nach dem Clinton-Modell zu leben, und von fern als Frau an seiner Seite mehr zu tun, als nur zu lächeln. „Get two for the price of one“, das war einer der Sprüche, mit denen Hillary und Bill Clinton um die Präsidentschaft rangen: Nehmen sie zwei für den Preis von einem. In Interviews lobte sie „die wunderbare Bahnverbindung“ und zeigte den Ehrgeiz, Berlin zu erkunden, vor allem per U-Bahn, weil sie die Staus nervig fand. Die gebürtige Bayerin war auch ein gelerntes Nordlicht.

Gerade im Süden des Landes scheint es in manchen Kreisen als schick zu gelten, mit der Hauptstadt ein wenig zu fremdeln. Ihr Mann war schon Kanzlerkandidat im seit fast zwölf Jahren wiedervereinigten Berlin, als Karin Stoiber im Juli 2002 zum Damendinner in die Bayerische Landesvertretung einlud. Selten hat man bei einem Hauptstadtevent neben den üblichen Charity-Ladys so viele echte Ordensschwestern gesehen. Aber das war nicht das Originelle. Auch nicht die Beobachtung der Politikergattin, dass Berlin doch im Grunde eine schreckliche Stadt sei und man viel heile Welt abwerfen müsse, um da wirklich anzukommen. Erst, als sie sehr charmant berichtete, dass sie es ja ihrem Mann verdanke, nun öfter mal aus Bayern herauszukommen und auf diese Weise in der vergangenen Woche gar „den wunderschönen Gendarmenmarkt“ gesehen habe, kippten die ersten Anwohnerinnen dieses exotischen Orts von den Stühlen.

Ganz und gar vorbildlich, pragmatisch und unsentimental ging Christina Rau die Sache an. Sie wartete, bis ihr Mann zum Bundespräsidenten gewählt war. Dann meldete sie zügig die Kinder von den Wuppertaler Schulen und Vereinen nach Berlin um. Natürlich sei sie verwurzelt gewesen im Wuppertaler Freundeskreis, erinnert sie sich heute. Aber Berlin habe sie auch immer hinreißend gefunden mit den breiten Straßen und dem vielen Grün. Sie glaube daran, dass man mehrere Orten als Heimat haben könne. „Ich fühle mich da zu Hause, wo meine Familie ist, wo Freunde sind.“ Sie fühlt sich wohl in Berlin, „weil es spannend ist, weil sich viel tut“. Aber zu Hause ist sie nach wie vor auch in London, auf Spiekeroog, in Bielefeld und in Wuppertal. Man verliert keine Heimat, weil man eine neue findet: Mit dieser Einstellung kann man nicht nur als Politiker weit kommen. Mehr Frauen mit dieser Haltung braucht das Land. Elisabeth Binder

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