Berlin : Fremdenfeindlichkeit: Berliner Schüler in Mecklenburg mit Steinen beworfen

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Eine Gruppe Berliner Schüler ist in Mecklenburg-Vorpommern zum Ziel eines offenbar fremdenfeindlichen Übergriffs geworden. Sie wurden bei einem Volksfest in Nienhagen im Landkreis Bad Doberan von unbekannten Jugendlichen beschimpft und mit Steinen und Bierdosen beworfen. Ein Stein traf einen der Berliner, einen 13-Jährigen mit dunkler Hautfarbe, am Knöchel und verletzte ihn leicht. Die Gruppe von Schülern aus Treptow verbrachte ihre Ferien in einem Camp im Nienhagener Nachbarort Dietrichshagen. 8 von insgesamt 27 Kindern sind wegen des Vorfalls bereits nach Berlin zurückgekehrt.

Das Voksfest hatten sieben oder acht Kinder der Gruppe gemeinsam besucht. Von einem Stein getroffen wurde jedoch nur der 13-Jährige, der als einziger ausländischer Herkunft ist - seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Afrikaner. Die Rostocker Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, denn die Täter hätten ihn gefragt: "Bist Du ein Neger?", bevor sie mit Steinen und leeren Bierdosen warfen. In der Vernehmung hätten die Berliner Jugendlichen die Angreifer als "Glatzen" bezeichnet. Bei den Steinewerfern habe sich um eine Gruppe von zehn bis 20 Mädchen und Jungen aus der Umgebung gehandelt, sagt der Polizeisprecher Volker Werner. Sie müssten wegen ihres Aussehens der rechten Szene zugerechnet werden.

Der Vorfall sei bereits am Samstagabend passiert, sei der Polizei in Warnemünde aber erst am Sonntag gemeldet worden. Das sieht der Organisator des Feriencamps, das Kindererholungswerk Berlin, anders. Der Vorsitzende Sebastian Tacke sagt: "Der Betreuer hat sebstverständlich bereits am Samstag die Polizei gerufen, doch die haben sich nicht bei ihm im Camp gemeldet." Erst am Sonntagnachmittag seien die Beamten dann mit einem Krankenwagen in das Ferienlager gekommen.

Die übrigen Schüler sind gestern von Dietrichshagen aus in ein anderes Camp des Erholungswerks auf der Insel Fehmarn gefahren. Alle Teilnehmer des Camps seien im Alter von 13 bis 15 Jahren und stammten aus "sozial schwachen" Familien. Das Bezirksamt Treptow hat sie für den Aufenthalt ausgesucht und an das Erholungswerk vermittelt. Trotz des Vorfalls wil das Kindererholungswerk weiterhin Gruppen nach Dietrichshagen schicken. "Bis jetzt ist nie etwas passiert", sagt Tacke.

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