Fremdenfeindlichkeit : Mehrere Überfälle an Himmelfahrt

Nach ausländerfeindlichen Überfällen an Himmelfahrt in Berlin, Weimar, Wismar und Lübeck hat die Polizei zahlreiche Personen festgenommen. Die Opfer leben teilweise seit mehr als 20 Jahren in Deutschland.

Berlin - In Berlin sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) der dpa, die Festnahme aller mutmaßlichen Täter zeige, «dass die Polizei die rechte Szene im Visier hat und unnachgiebig verfolgt». Die Opfer waren nach Polizei-Angaben ein Türke, ein Libanese und ein Guineaer. Der Türke wurde verletzt. Er war in Begleitung seiner norwegischen Freundin und zweier Deutscher. Zunächst hatte die Polizei von einem Überfall auf vier junge Türken berichtet.

In Weimar überfielen mutmaßliche Rechtsradikale am Donnerstagabend ein privates Hoffest von Ausländerfamilien. Drei Männer aus Mosambik und Kuba erlitten zum Teil schwere Kopfverletzungen. Die Polizei nahm acht Tatverdächtige fest. Die Staatsanwaltschaft Erfurt stellte Haftantrag gegen drei Rechtsradikale. Nach ersten Ermittlungen gehörten diese der Kameradschaft «Braune Aktionsfront Apolda» an, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitag.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren die Täter betrunken. Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass sie gezielt in den Hof kamen.

In Wismar in Mecklenburg-Vorpommern misshandelten Rechtsradikale auf einem Flohmarkt einen Inder. Fünf Tatverdächtige zwischen 20 und 24 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Sie sollen ihr Opfer geschlagen und getreten haben. Der Inder wurde leicht verletzt.

In Berlin einigten sich Politiker aller Abgeordnetenhaus-Parteien bei einem Runden Tisch am Donnerstag auf Positionen im Kampf gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Zudem wollen sich SPD, Linkspartei, CDU, FDP und Grüne im bevorstehenden Wahlkampf «in der Wahrung von Menschenwürde und Toleranz» nicht auseinander dividieren lassen.

Für Freitagabend rief die Linkspartei zu einer Demonstration in Berlin-Lichtenberg auf. Vor knapp einer Woche war dort der türkischstämmige Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan nach eigenen Angaben von Rechtsextremen verprügelt worden. Die Gegend um den Bahnhof Berlin-Lichtenberg gilt als Hochburg der Rechtsextremen.

In Lübeck randalierte am Donnerstag eine Gruppe betrunkener Skinheads. Zeugen berichteten auch über Drohungen gegen Ausländer. Die Polizei konnte dies zunächst nicht erhärten. Die Beamten nahmen die 16 Skinheads vorläufig fest. Ein Polizeisprecher sagte, es sei zu früh, von einem rechtsextremistischen Vorfall zu sprechen. (tso/dpa)

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