Fremdenfeindlichkeit : Warnkatalog stößt auf Ablehnung

Das Vorhaben des Afrika-Rats, für dunkelhäutige Besucher der WM einen Warnkatalog herauszugeben, in dem so genannte "No-Go-Areas" verzeichnet sind, ist in Politik und Sport auf Ablehnung gestoßen.

Berlin - Ein geplanter Warnkatalog des Afrika-Rats für dunkelhäutige Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft ist auf klare Ablehnung gestoßen. «Die Polizei sieht für derartige Warnungen keinen Grund, es gibt in Berlin keine No-Go-Areas (Vor Betreten wird gewarnt)», sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD), der CDU-Innenexperte Frank Henkel und das WM- Organisationskomitee in Frankfurt/Main wiesen die vom Afrika-Rat unter Berufung auf zunehmende und bei der WM zusätzlich zu erwartende rechtsextreme Übergriffe geplante Veröffentlichung zurück.

Körting sagte, es gebe keine generelle Gefährdung für bestimmte Bevölkerungsgruppen in bestimmten Gebieten. Er nehme die Ängste vieler in Berlin lebender Menschen und von Berlin-Besuchern ernst, sagte der SPD-Politiker der dpa. Er wolle diesen Menschen aber auch sagen, sie müssten hier keine Angst haben. Henkel bezeichnete den beabsichtigten Warnkatalog mit Hinweisen auf Gebiete wie Hellersdorf-Marzahn und Köpenick als «groben Unfug und Panikmache».

Der Vorsitzende des Afrika-Rats als Dachverband afrikanischer Vereine und Initiativen in Berlin-Brandenburg, Moctar Kamara, wies den Vorwurf der «Panikmache» zurück. Kamara sagte der dpa: «Das ist typisch, statt sich intensiv mit der Sache auseinanderzusetzen, wird weiter vertuscht.» Jeden Tag würden in Deutschland zahlreiche schwarzhäutige Afrikaner «angegriffen, beschimpft und beleidigt». Kamara sagte weiter: «Die Politiker können das nicht wirklich wissen, sie leben in einer anderen Welt.»

In dem Katalog soll Kamara zufolge in Berlin voraussichtlich vom Aufenthalt in ganzen Stadtbezirken wie Hellersdorf-Marzahn und Köpenick abgeraten werden. Auch S-Bahnhöfe wie Ostkreuz und Lichtenberg sollten gemieden werden, hieß es. Weitere Angaben wollte Kamara zu den gefährdeten Örtlichkeiten zunächst nicht machen. Die bisher genannten Orte liegen alle im Ostteil der Stadt. In Köpenick hat die Parteizentrale der rechtsextremen NPD ihren Sitz.

Das Bezirksamt Lichtenberg spricht in einer Mitteilung vom Freitag selbst von einer «relativ hohen Anzahl von rechtsextremen Übergriffen». Es habe im Vorjahr 37 rechtsextrem motivierte Übergriffe gegeben, dazu 87 so genannte Propaganda-Delikte unter anderem mit Schmierereien und Aufkleber. Damit sei «das Bedrohungspotenzial rechtsextremer Gruppen und Einzelpersonen im Bezirk Lichtenberg weiterhin vorhanden», heißt es.

Die Berliner Polizei betonte, das rechtsextreme Spektrum werde «genau beobachtet». Erkennbaren Aktivitäten der Szene werde «sofort und konsequent entgegen gesteuert». Für das WM-Organisationskomitee sagte Sprecher Jens Grittner, der Fußball und seine Verbände würden sich strikt gegen jede Form von Rassismus wenden. Das Motto der WM «Die Welt zu Gast bei Freunden» dürfe «nicht nur in die Welt gerufen, sondern muss gelebt werden». Konkret tätig werden könne der Sport und der Fußballverband allerdings erst, wenn Taten in einem direkten Zusammenhang zu den Spielen stehen. «Alles andere ist nicht das Hoheitsgebiet des WM-OK oder des Deutschen Fußball-Bundes.»

Der Vorsitzende des Afrika-Rats, Kamara, betonte, die geplante Aktion gelte nicht allein der Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft. «Es geht nicht nur um die WM. Sie ist nur der Anlass, weil in diesen Wochen sehr viele Afrikaner nach Deutschland kommen werden, die von den Verhältnissen hier nicht viel wissen.» Zum WM-OK habe der Afrika- Rat in dieser Sache keine direkten Kontakte.

Zum aktuell schwersten Fall des in Potsdam von offenbar rechtsextrem eingestellten Tätern überfallenen 37-jährigen Deutschen mit äthiopischer Herkunft sagte Kamara der «taz»: «Es kann überall passieren.» Im Grunde sei der gesamte Osten «riskantes Terrain». (tso/dpa)

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