FRENCH Connection : Auf zu den Ufern der Seine

Michel Mallet, Deutschland-Chef des Öl-Multis Total, kommt bei den schönsten Franzosen ins Schwärmen

Wie finden Franzosen, die in Berlin leben, die schönsten Franzosen aus New York? Wir haben sie gefragt – unsere Serie stellt Wahlberliner und ihre Lieblingsbilder vor.

Michel Mallet, 58, übernahm im vergangenen Herbst die Geschäftsführung der Total Deutschland GmbH – des drittgrößten Mineralölunternehmens in Deutschland. Als einziger internationaler Ölkonzern hat Total seine Deutschlandzentrale in Berlin und koordiniert von hier aus sein Marketing unter anderem für die Raffinage in Leuna und in Schwedt. Mallet war zuletzt am Hauptsitz der Total-Gruppe in Paris für die internationale Marketingkoordination verantwortlich. Die Ausstellung „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ besuchte er mit seiner Frau Pascale – Alfred Sisleys „Brücke von Villeneuve-la-Garenne“ sprach beide aus besonderem Grund an.

Der Kunstfreund: „Oh, hier ganz in der Nähe haben wir in Paris gewohnt. Villeneuve-la-Garenne liegt nördlich von Paris, die Hängebrücke hier verbindet das ursprüngliche Dörfchen mit Saint-Denis im Umland von Paris. Ich selbst stamme ja aus der Normandie, aber in meinen 30 Berufsjahren bei Total bin ich zwölf Mal umgezogen – nach Großbritannien, Spanien, Düsseldorf und von Paris jetzt nach Berlin. Das Bild hier bewegt mich aus verschiedenen Gründen. Einmal zeigt es ,La Seine’ und ihre Umgebung so, wie es einst dort war – ursprünglich, sauber, idyllisch. Heute sieht es dort anders aus, stehen Fabriken und andere Gebäude – die Landschaft und der Fluss haben ihre Unschuld verloren. Ich hoffe aber, dass es dort bald wieder so wird, wie es war, und man irgendwann sogar wieder in der Seine schwimmen kann. Genau das hatte Jacques Chirac uns Franzosen versprochen. Am Ende seiner Präsidentschaft wollte er in der Seine schwimmen können. Bei seiner Bilanz zum Abschied hat er das wohl vergessen. Ich bin aber optimistisch, dass in naher Zukunft die Seine wieder so unschuldig wird wie hier auf dem Bild von Alfred Sisley. Wir selbst haben daheim in unserem neuen Zuhause nahe dem Gendarmenmarkt keine Gemälde, dafür aber Fotografien. Ich bin Bergsteiger und Hobbyfotograf – wo ich auch immer war, ob in den französischen Alpen oder am Matterhorn, mache ich Naturaufnahmen.“

Das Gemälde: Alfred Sisley (1839–1899) – in Paris geborener Sohn englischer Eltern – gilt als Impressionist der ersten Stunde. Mit der Heiterkeit und Intensität seiner Farbpalette ähneln seine Werke denen Monets. Die „Brücke von Villeneuve-la-Garenne“ malte Sisley 1872. Das Bild in Öl auf Leinwand belegt, wie meisterlich er die impressionistische Malweise beherrscht – der gekonnte Farbauftrag mit flachen, rechteckigen Pinselstrichen kommt besonders in den Spieglungen auf der Wasseroberfläche zum Tragen. (Infos aus dem Katalog)

Notiert von Heidemarie Mazuhn

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