Berlin : Fressmeile liegt Händlern im Magen

Schon vor dem Ende der Ku’damm-Party gibt es Krach: Die Geschäftsleute machen nicht den erhofften Umsatz

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Von Cay Dobberke

Es ist wie in jedem Jahr: Geschäftsleute und Organisatoren streiten um die Qualität des Sommerfestes auf dem Kurfürstendamm. Unter dem Motto „Global City – in drei Tagen um die Welt“ hatte die AG City versprochen, aus der früheren „Euromeile“ eine internationale Veranstaltung mit mehr Niveau zu machen. Doch die Händler laufen Sturm gegen die Riesenparty.

„Ich finde es unmöglich. Das ist absolut nicht das, was man uns angekündigt hat“, sagt Ursula Schaefer vom Lederwaren- und Modegeschäft MCM. Fisch- und Knoblauchgeruch ziehe in die Ladenräume, die Stammkunden blieben fern. An den Festbesuchern verdiene man fast gar nichts: „Unser Publikum ist das hier nicht.“ Daher nutzt MCM auch nicht die Ausnahmegenehmigung für längere Öffnungszeiten. Heute dürfen die Geschäfte entlang der Festmeile von 12 bis 17 Uhr verkaufen.

„An dem Fest können wir keinen Gefallen finden“, sagt auch Marcel Gruschow, Junior-Chef des Juweliergeschäfts Gruschow. Nur eines habe sich im Vergleich zu früher gebessert: „Die fliegenden Händler mit ihren Tapeziertischen sind weg.“

Nicht allein die Geschäfte mit hochpreisigem Sortiment haben Umsatzprobleme. „Unsere Stammkundschaft wird von der Fressmeile abgeschreckt“, stellt Roman Bader vom Modegeschäft Timberland fest. Die ganze Veranstaltung sei „eben Rummel“.

In der Damenboutique Palmers berichteten Verkäuferinnen, es gebe „mehr Umsatz ohne das Fest – sonst steppt hier sonnabends der Bär“. Gestern blieb das Personal immer wieder für längere Zeit unter sich. Aus Sicht einer Mitarbeiterin war das kein Wunder: „Wenn draußen, ein paar Meter neben uns, Strings und BHs für fünf Euro verkauft werden, kommen die Leute natürlich nicht mehr zu uns.“ Den Party-Veranstaltern wirft sie vor, „Falsches erzählt“ zu haben. Besonders scharf urteilt Elke Kruse vom Schmuckgeschäft Goldpfeil: „Bis auf den Model-Laufsteg ist das alles eine Frechheit.“ Sie habe nicht erwartet, von „Kuscheltier- und Eiskremverkäufern“ umgeben zu sein.

Ausgerechnet in der vornehmen Fasanenstraße mit einigen der teuersten Schmuckläden und Boutiquen der Stadt standen anfangs ein Toilettenwagen und weitere Mobiltoiletten. Nach Protesten wurden die WCs inzwischen verlagert. „Wir sind alle sauer“, sagt Brano Durutovic vom italienischen Restaurant Via Condotti. Er stellte zusätzliche Holzbänke ins Freie, aber „nur, um Klos und Lastwagen fernzuhalten“. Dass schöne Straßenfeste durchaus möglich seien, habe das Jazzfest in der Fasanenstraße gezeigt, das die Anrainer im Herbst 1999 veranstaltet hatten.

Viele Besucher scheinen dagegen zufrieden. Einer jungen Touristin aus Hamburg gefiel, dass es Cocktails und Weltmusik gibt „statt immer nur Bier und Schlager“. Ähnlich sah es ein Charlottenburger Ehepaar, das die Feste seit langem kennt: „Es ist viel abwechslungsreicher geworden.“ Eine Schönebergerin meinte: „Die Musik ist gut, und die Buden stören mich nicht.“ Bei dem Fest wird übrigens für Flutopfer in Dresden gesammelt. Vor dem Neuen Kranzler-Eck wurde gestern ein bemalter „Buddy Bär“ zur Spendendose umfunktioniert, und am späten Abend versteigerte Rodan Lederdesign auf dem Laufsteg an der Uhlandstraße ein Brautkleid im Wert von mehr als 3000 Euro.

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