Berlin : Freude, Zaun und Dosenpfand

Die Organisatoren im T-Shirt, der Stadtrat mit Krawatte – vor der 15. Love Parade haben sich alle lieb. Am Donnerstag besichtigte man gemeinsam die Absperrgitter im Tiergarten

Holger Wild

Also mit dem Zaun, sagt Ralf Regitz, da müsse man schon unterscheiden. Jenes Baugitter etwa, das hier an der Ecke Entlastungsstraße und Straße des 17. Juni zu sehen sei, das sei keineswegs ein Teil der „Einfriedung“ des Großen Tiergartens, die bei der Love Parade am 12. Juli Getränke-Schwarzhändler abhalten soll. Sondern diese Absperrung, ein gebräuchlicher Bauzaun aus Stahlgitterwerk, etwa zwei Meter hoch und in Betonklötze gesteckt, diene dem Schutz des neu angelegten Grünstreifens mit jungen Büschen und Bäumen dahinter.

Ah – ja. Die Journalisten nicken und notieren. Die Love Parade hat zur Pressekonferenz im Tiergarten geladen. Anwesend auch: Dirk Lamprecht, Wirtschaftsstadtrat des Bezirks Mitte, CDU. Dr. Ralf Kleinhenz, Geschäftsführer der Capital Catering GmbH. Oliver Rübenkamp, Verkaufsleiter der Capital Catering GmbH. Die Vorgenannten sind im Anzug erschienen, mit Hemd und Krawatte. Peter Daube, Erster Polizeihauptkommissar, trägt Dienstkleidung. Ralf Regitz, Geschäftsführer der Planetcom GmbH, T-Shirt und Windjacke. Der Cheforganisator der Parade ist mit seinen 39 schon vier Jahre älter als der CDU-Stadtrat. Und das große Fest der Jugend ist heute eine Herzensangelegenheit auch von Herren in Dreiteilern. Die ewigen Streitereien um den Status als Demo; der Zank um die Route, den Müll – Vergangenheit. Das Motto der ersten Love Parade von 1989, „Friede, Freude, Eierkuchen“: gilt bei ihrer 15. Auflage nun auch im Vorfeld.

Zurück zum Zaun. „Ich mach jetzt mal den Reiseleiter“, erklärt Regitz. Zur „Amazone“ geht es, einer Bronzestatue in einem kleinen Rondell, und hier kann wieder ein Zaun bestaunt werden. Er sieht ganz aus wie der erste – und hat ebenso wenig mit der Einfriedung zu tun, sondern dient dem Schutze des Standbilds und des Pflanzenschmucks darum. Auch andere Denkmäler sollen so gegen die kletterfreudige Jugend gesichert werden.

Jetzt aber zum richtigen Zaun, den der Einfriedung! Sein erster Abschnitt ist längs der John-Foster-Dulles-Allee bereits errichtet. Er sieht aus wie – die anderen auch. Wo Straßen und Wege durch die Sperrung führen, werden zur Parade Ordner stehen und illegale Händler abweisen. Und während vor dem Zaun bis zu 60 Mitarbeiter des Bezirksamtes und rund 100 Polizisten patrouillieren, um den Schwarzhandel zu unterbinden, verkaufen hinter dem Gitter die Lizenznehmer der Capital Catering – einer Tochter der Messe Berlin – an gut 90 Ständen feste und flüssige Nahrung. Letztere muss von den Sponsoren Warsteiner (Bier), Coca Cola (Softdrinks), Belmont (Sekt) und Red Bull bezogen werden. Bier gibt’s für 2,50 Euro in 0,5-Liter-Dosen, Cola und Wasser in Halb-Liter-Flaschen für zwei Euro. Und: Es gilt die Verpackungsverordnung. Das Pfand beträgt 50 Cent.

Was aber das Essen betrifft, da arbeitet die Capital Catering mit „denjenigen Partnern zusammen, die wir auch bei Veranstaltungen auf dem Messegelände oder beim Kirchentag einsetzen“, sagt Geschäftsführer Kleinhenz. Zu erwarten ist also auch beim größten aller Berliner Straßenfeste das Angebot eines jeden anderen: Bratwurst, Crêpes – und Chinapfanne.

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