Berlin : Freunde müsst ihr sein

Hamburg und Berlin wollen verstärkt gegen Gewalt auf den Fußballplätzen vorgehen

André Görke

Tatort Eimsbüttel, vor wenigen Wochen: Im Nordwesten Hamburgs kommt es auf einem Fußballplatz während eines Kreisligaspiels zu einer Schlägerei zwischen Spielern. Als die Polizei an jenem Nachmittag am Ort des Geschehens eintrifft, liegen die Verletzten noch am Boden. „Sieben Verletzte gab es, einem Spieler wurde der Kiefer gleich drei Mal gebrochen“, sagt Heiko Arlt vom Hamburger Fußball-Verband (HFV). Sein Kollege Uwe Ennuschat vom Hamburger Sportgericht sagt: „Solch drastische Vorkommnisse kannten wir bislang nur aus Berlin.“

Tatsächlich wird in der Hauptstadt an jedem Wochenende mindestens ein Fußballspiel abgebrochen – 102 waren es in der vergangenen Saison, 43 Spiele in der Hinrunde dieser Saison. Doch auch in Hamburg werden pro Jahr etwa 60 Spiele abgebrochen. Wie der Tagesspiegel jetzt erfuhr, treffen sich die „Anti-Gewalt-Projekte“ des Berliner und Hamburger Fußballverbandes im Mai zu einem Krisengespräch. Sozialarbeiter und Polizei werden Trainern und Schiedsrichtern Tipps geben, wie sie Ausschreitungen auf Fußballplätzen vermeiden können.

Das ist auch nötig, wie die jüngsten Beispiele zeigen: Im Dezember letzten Jahres kickten in Hamburg zwei Jugendmannschaften gegeneinander. Zwei arabische Spieler attackierten dann Zuschauer und Gegenspieler, schlugen sie und griffen sie mit Messern an. Die beiden Jugendlichen stehen jetzt auf der „Schwarzen Liste“ des HFV und wurden bis 2005 gesperrt.

Die letzte Schlägerei in Berlin gab es beim Oberliga-Hallenturnier in der Charlottenburger Sömmeringhalle im Januar. Wie der Tagesspiegel berichtete, hatte dort der Lichterfelder Spieler Denis Kutrieb dem Yesilyurt-Spieler Mike Lünsmann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Kutrieb wurde jetzt vom Berliner Fußballverband (BFV) bis zum Saisonende gesperrt. Yesilyurts Ramazan Yildiz, der seinem am Boden liegenden Kollegen mit einem Karatesprung helfen wollte, muss 50 Euro zahlen.

Auffällig oft gibt es Randale, wenn deutsche und ausländische Mannschaften aufeinander treffen. In Berlin herrscht zudem schlechtes Klima zwischen den Klubs aus dem Osten und dem Westen der Stadt. Wenn sich die Verbände in drei Monaten treffen, werden aber nicht nur die Ausschreitungen in den Ballungsgebieten, sondern vor allem in den ländlichen Regionen thematisiert. Deshalb wurden neben dem Deutschen Fußball-Bund auch die Fußballverbände aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt eingeladen. „Auf dem Lande sind die Klubs genauso hilflos wie wir vor drei, vier Jahren“, sagt Gerd Liesegang, der Leiter des „Anti-Gewalt-Projekts“ des BFV. Sein Berliner Modell gilt bundesweit als vorbildlich.

Liesegangs Hamburger Kollege Gert Burmeister sagt: „Auf dem Land wird vieles heruntergespielt. Im Osten ist die Arbeitslosigkeit vor allem bei Jugendlichen extrem hoch. Das rechte Gewaltpotenzial ist vorhanden – gerade auf den Sportplätzen.“ Viele Klubs aus dem Westteil Berlins hätten deshalb Angst, nach Brandenburg zu fahren, sagt Liesegang. „Viele befürchten, dass dort Hetzjagd auf die türkischen Spieler gemacht wird.“

Das „Anti-Gewalt-Projekt“ unter

www.berliner-fußball.de

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