Berlin : FREUNDE & FREUNDINNEN

Freundinnen müsste man sein! Das Bild schickte uns Ingetraut Wagner (Zweite von rechts) aus Gatow. Foto: Privat
Freundinnen müsste man sein! Das Bild schickte uns Ingetraut Wagner (Zweite von rechts) aus Gatow. Foto: Privat

Ach, liebe Leserinnen und Leser, wir wollen uns zunächst einmal entschuldigen: Dass wir an dieser Stelle zuletzt immer „Ach, liebe Leser“ schrieben, geht natürlich nicht. Leserinnen, Leser, transsexuelle Eichhörnchen, Aliens – Mehr Berlin ist für alle da! Nun aber, liebe Alle, zu den schönen Dingen: Freundschaft. Dazu erreichte uns nach unserem letztwöchigen Bericht über fünf Freunde aus Friedenau, die sich in den 1960ern an der Oberschule kennenlernten, tolle Leserpost. „Sollten Sie an einer Fortsetzung der Rubrik mit sechs Kreuzberger Jungen, die sich seit der Grundschulzeit von 1955 an kennen, interessiert sein, dann können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen“, schreibt etwa Joachim Szymanski per Mail. Und Ingetraut Wagner hat uns einen so schönen Brief geschickt, dass wir – nicht ohne Sie vorher zu ermutigen, uns an mehrberlin@tagesspiegel.de weitere Schilderungen zu senden – an dieser Stelle einfach daraus zitieren wollen:

„Mit großem Interesse habe ich den Bericht über die fünf Freunde aus Friedenau gelesen, die so fest zusammenhalten. Die Herren sind 1947 und 1948 geboren, und da kann ich Älteres bieten:

Wir sind auch fünf Freundinnen (Jahrg. 1925 und 1926), wir kennen uns z. T. seit 1932, da kamen wir in die Volksschule. 1936 ging es dann ins Gymnasium, das damals Oberschule hieß. 6 oder 7 Kinder aus der Volksschulklasse, in der wir 45 Kinder waren, kamen auf die Oberschule. Bald gab es Krieg. Wir machten Kriegseinsätze, Luftschutzwachen und hatten Schichtunterricht, denn in unserem Schulgebäude waren wegen der Kohlenknappheit zwei – manchmal sogar drei – Schulen untergebracht. 1943 wurde unsere Schule dann wegen der dauernden Luftangriffe evakuiert. Wir kamen nach Ostpreußen, wo wir dann im Frühjahr 1944 das Abitur machten. Gleich danach kamen Arbeitsdienst und Kriegshilfsdienst und dann standen wir in den Trümmern unserer Stadt Berlin.

Trotz der Wirren dieser Zeit haben wir Klassenkameradinnen uns nie aus den Augen verloren, 9 aus unserer Klasse sind in Berlin geblieben. Jetzt sind wir noch 5. Wir treffen uns regelmäßig alle 5–6 Wochen, lesen gemeinsam mit verteilten Rollen Dramen, Schauspiele, unsere geliebten Klassiker. Manchmal denken wir uns auch Themen aus und diskutieren dann darüber.

Obwohl wir nun wirklich ,in die Jahre‘ gekommen sind, sind wir noch ganz munter und beweglich und freuen uns über unsere Freundschaft und darüber, dass wir noch in der Lage sind, sie zu genießen. Angeregt worden zu dieser Schilderung bin ich durch den Bericht über die fünf Freunde aus Friedenau, denen ich noch eine lange Zeit miteinander wünsche.“

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