Berlin : Freundin in Schutz genommen: 18-Jähriger im Bus erstochen

Jugendliche pöbelten junge Frau in Köpenick an. Ihr Begleiter verteidigte sie. Deshalb musste er wenig später sterben. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur

Tanja Buntrock

Er wollte seine Freundin vor den dummen Sprüchen anderer Jugendlicher schützen, sie verteidigen. Dafür zahlte der 18-Jährige in Köpenick mit dem Leben. Der Oberschüler wurde am Montagabend niedergestochen – während eines Streits in einem BVG-Bus mit drei ungefähr Gleichaltrigen. Er starb an seinen schweren inneren Verletzungen.

Um 20.43 Uhr steigt Tim R. (Name geändert) aus Köpenick mit seiner gleichaltrigen Freundin an der Haltestelle Stubenrauchstraße/Ecke Springbornstraße im Treptower Ortsteil Johannisthal in den Bus der Linie 167. Diese Route beginnt in der Zittauer Straße und endet am Müggelschlößchenweg. Tim und seine Freundin sind kein Liebespaar, sie kennen sich nur gut. Sie sollen auf dasselbe Gymnasium gehen. In dem Gelenkbus sitzen im hinteren Teil drei weitere Jugendliche und einige andere Fahrgäste. Die beiden Oberschüler gehen nach hinten durch. Aus der Gruppe Jugendlicher fängt zunächst nur einer an, Tims Freundin zu belästigen. „Eine plumpe, blöde Mädchen-Anmache“, erzählt ein Kripo-Ermittler. Wenig später beleidigen auch die anderen aus der Gruppe die junge Frau.

Tim will seine Begleiterin beschützen. Beide haben die drei Jugendlichen noch nie gesehen. „Ey, was willst du? Was soll das? Lass sie in Ruhe“, etwa diese Worte ruft er dem Trio zu. Der Streit geht weiter. Dann, es ist 21 Uhr, wollen die drei unbekannten Jugendlichen an der Haltestelle S-Bahnhof Spindlersfeld aus dem Bus steigen. Als sie durch die hintere Tür nach draußen gehen, zückt einer plötzlich sein Messer und sticht es Tim in die Brust. Danach rennen die drei fort. Der 46-jährige Busfahrer bekommt zunächst nichts davon mit. Er fährt noch eine Station weiter bis zur Haltestelle Köllnischer Platz. Etwa fünf weitere Fahrgäste sind noch im Bus. Auch sie haben bislang nur einen Streit wahrgenommen. „Es ging alles blitzschnell“, sagt ein Ermittler. Als der Fahrer merkt, was passiert ist, alarmiert er sofort den Notarzt und die Polizei. Doch es ist zu spät: Tim stirbt auf dem Weg in die Klinik.

Einen „politischen Hintergrund“ schließt die Kripo aus. „Kein Konflikt Rechte gegen Linke oder ein rassistischer Hintergrund oder irgendetwas dergleichen ist uns bekannt“, heißt es. Tim wohnte etwa drei Kilometer vom Tatort entfernt, auf der anderen Seite der Spree, alleine in einer Wohnung. Sie liegt in einer einfachen Altbaugegend am Rande des traditionsreichen Industriegebiets Oberschöneweide. Hip-Hop soll er laut gehört haben, sagt ein Nachbar. Aber auffällig sei weiter nichts an ihm gewesen.

Die Polizei hat den Bus zur Spurensicherung beschlagnahmt. Die Aussagen der Fahrgäste und des Busfahrers haben eine grobe Beschreibung des Täters ergeben: Er ist 17 bis 19 Jahre alt, 1,70 Meter groß und Deutscher. Er hat große, dunkle Augen und kindliche Gesichtszüge, trug eine schwarze Kapuzenjacke und Jeans. Die Kripo sucht weitere Zeugen (Rufnummer 4664 911 701). Um den Fall möglichst rasch aufklären zu können, hat die Polizei für entscheidende Hinweise eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgelobt. Insbesondere die beiden Begleiter des Täters seien für die Ermittler von Bedeutung. Auch sie gelten als Zeugen.

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