Berlin : Friede, Freude und ein bisschen Müll

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Selbst Abfall kann eine Erfolgsmeldung wert sein. Ganze 60 Tonnen Müll musste die BSR gestern Vormittag aus dem Tiergarten abtransportieren – ein Drittel weniger als bei der letzten Loveparade 2003. Auch sonst hatte der Veranstalter am Tag nach dem Technoumzug nur gute Nachrichten zu verkünden: 1,2 Millionen Menschen seien zur Parade in den Tiergarten geströmt. Das hätten eigene Schätzungen sowie Hochrechnungen der Nürnberger Marktforscher GfK ergeben. Das Institut hatte während des Umzugs eine Zufriedenheitsbefragung unter den Besuchern durchgeführt. Mit eindeutigem Ergebnis: 92 Prozent fanden die diesjährige Loveparade „gut“ bis „sehr gut“. Und sagenhafte 96 Prozent möchten nächstes Jahr wieder mitfeiern.

Die Polizei wollte die angegebene Teilnehmerzahl nicht kommentieren, lobte aber „die friedliche, ausgelassene Stimmung bis in die späte Nacht hinein“. Von vereinzelten Diebstählen abgesehen hatten die Beamten nichts zu tun. Ganz anders die Mitarbeiter des Malteser-Hilfsdiensts: 3430 Menschen wurden im Laufe des Tages ärztlich versorgt. Die meisten wegen hitzebedingter Kreislaufprobleme. 350 Patienten mussten ins Krankenhaus.

Wer Rainer Schaller, den Chef des diesjährigen Veranstalter-Teams, gestern auf der Pressekonferenz hinterm Mikro sitzen und Bilanz ziehen sah, fühlte sich unweigerlich an Jürgen Klinsmann und die jüngere Geschichte der deutschen Nationalmannschaft erinnert. Ja, es habe in den letzten Monaten Kritik von allen Seiten gehagelt. Ja, der Versuch der Paraden-Wiederbelebung sei umstritten gewesen. „Jetzt sind wir überglücklich, dass wir uns nicht beirren ließen und einfach unseren Weg gegangen sind.“ Schließlich stehe nun fest: „Unser Konzept ist zu 100 Prozent aufgegangen.“

Seit Sonnabend hat Rainer Schaller viele Glückwünsche bekommen. Von den Kennern der Techno-Szene, von der Vereinigung der Berliner Clubs, von den Besuchern auf der Straße des 17. Juni. Er selbst hat die Parade ebenfalls genossen: „Das war der schönste Tag in meinem Leben.“ Ob es nächstes Jahr weitergeht, lässt Schaller noch offen. Erstmal müsse das Ereignis „gründlich ausgewertet und verarbeitet werden“. Eine Entscheidung solle dann spätestens im Oktober fallen. Auch das hätte Klinsmann nicht besser sagen können. sle

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