Berlin : Frieden – ein Wunsch für jeden

der Gottesdienst zum Straßenfußball

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Die fröhliche Gemeinde, die gestern die evangelische St.-Thomas-Kirche am Mariannenplatz ganz und gar füllte, trug statt Sonntagsstaat Turnschuhe und bunte Trikots, der eine oder andere auch eine Fahne. Wollten die jungen Leute, die aus 22 Ländern nach Kreuzberg gekommen waren, doch anschließend mit Gottes Segen auf dem Mariannenplatz zur ersten Straßenfußball-Weltmeisterschaft antreten (siehe Seite 11). Dass das nigerianische und das ghanaische Team nicht einreisen durften, weil man wohl befürchtete, dass die obdach- und bindungslosen Straßenkinder den Heimweg nicht mehr antreten würden, war der Wermutstropfen in der „Players Andacht“. Zu der hatte Pfarrer Christian Müller von St. Thomas gemeinsam mit dem katholischen Pater Christian Herwartz, dem Rabbiner Chaim Rozawski und dem Imam Lütfü Imamoglu eingeladen. Alles von dem, was sie den jungen Leuten an frommen Gedanken und Wünschen mit auf dem Weg gaben, verstanden die Kicker – unter anderem aus Polen, der Türkei, aus Kenia, Brasilien, Peru, Norwegen, Israel und Palalästina – trotz Englischübersetzerin garantiert nicht.

Das Wort Frieden aber kannten alle – mit Umarmungen und großer Begeisterung wünschten es sich die Kirchenbesucher untereinander in die Hand und vergaßen auch den in der hintersten Ecke Sitzenden nicht. Und auch Gott war kaum einem ein Unbekannter, obwohl mancher der Jugendlichen aus oft allerärmsten Verhältnissen sicher schon manchmal an ihm gezweifelt hatte.

Innig betete oben auf der Empore eine junge Brasilianerin, das Gesicht in den gefalteten Händen verborgen. Hätte sie die kurze Predigt des evangelischen Kreisjugendpfarrers Christian Weber verstanden, wäre sie sicher einverstanden mit ihm: Vom Spaß am Fußball und vom Gewinnen sprach er, aber vor allem davon, dass Gott auch die Menschen zu Gewinnern machen möchte, die nicht auf den ersten Plätzen sind. Die Fürbitten der Andacht sprachen dann einige Turnierteilnehmer. Abdul Masroof Gulistani aus Afghanistan bat: „Gott, lass uns erkennen, dass wir durch das Spiel Freunde und nicht Feinde werden.“ hema

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