Friedenstour : Auf dem Radweg von Deutschland nach Südkorea

Acht Südkoreaner starten eine Radtour vom Brandenburger Tor bis nach Seoul. Sie wollen 15.000 Kilometer in 100 Tagen zurücklegen.

Milena Menzemer
Young Joo-Hur (l.) und Hee Young-Kim.
Young Joo-Hur (l.) und Hee Young-Kim.Foto: Milena Menzemer

Hee Young-Kim befestigt einen Plüschhasen und eine Kamerahalterung am Lenker ihres Rennrads. Die 25-jährige Südkoreanerin startete mit Gleichgesinnten am Mittwoch am Brandenburger Tor in Richtung ihrer Heimat – mit dem Fahrrad. Young Joo-Hur, die neben ihr steht, ist mit 22 Jahren die Jüngste in der Gruppe. Am Mittwoch umrundeten die Sportler den Mauerweg, an diesem Donnerstag geht’s gen Osten. Die erste Station ist Warschau, von dort fahren acht Sportler bis nach Seoul – 15.000 Kilometer.

An der Tour wollten 6000 Koreaner teilnehmen. Sie bewarben sich bei einer Tageszeitung, die acht auswählte, die Radfahrer einflog und jetzt begleitet. Zwei Ärzte, zwei professionelle Kletterer, ein Illustrator und drei Studenten treten die Reise an. Young Mi King ist die einzige Frau, die bis Seoul mitfährt. Sie hat nicht viel Gepäck in ihrer Satteltasche. „Eine Windjacke, Sonnencreme, ein Taschenmesser, Familienbilder und Kekse.“ Sechs Autos begleiten die Tour, transportieren Gepäck, Zelte, Nahrung und Ersatzteile.

So hat auch der 64-jährige Lee Byungdal nur Wasser und Knabberkram auf dem Gepäckträger. Er freue sich auf die sportliche Herausforderung, aber die Tour sei auch ein politisches Zeichen, sagt der Arzt. Der Veranstalter Bang-Say Howun erklärt: „Wenn Koreaner vorm Brandenburger Tor stehen, wird ihnen feierlich zumute.“ Seine „Friedenstour“ solle den Geist der Einheit nach Korea tragen. Acht Länder werden die Fahrer durchqueren: Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Kasachstan, die Mongolei und China. Ende November will die Gruppe an der nordkoreanischen Grenze ankommen. Bis jetzt ist unklar, ob sie Nordkorea passieren darf. Auf den Halstüchern, die das Südkoreanische Kulturzentrum am Brandenburger Tor verteilt, ist bisher eine Route eingezeichnet, die einen Bogen um Nordkorea macht.

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