Berlin : Friedenstreff in Grunewald

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Grund zum Feiern war schon die Feier an sich: Das Sommerfest in der jugoslawischen Botschaft zu Berlin am vergangenen Sonnabend war das erste seit über einem Jahrzehnt. Titos Land erwarb die 1928 erbaute, Villa an der Taubertstraße in Grunewald zu Zeiten des Schwarzmarkts der Nachkriegsjahre für eine Waggonladung Speck. Sie war Konsulat, ist nun eines der diplomatischen Zentren Belgrads – und jetzt soll wieder Leben ins Haus: Das neue demokratische Jugoslawien will sich den Berlinern öffnen.

Noch allerdings liegt die Patina eines unbelebten Jahrzehnts auf dem Dach, das Schwimmbad zwischen den mächtigen Bäumen und der Terrasse steht leer. Dennoch lud Botschafter Bozinovic am Samstag hunderte von Gästen zum Gartenfest. „Eine kleine Sensation ist es“, erklärt ein Botschaftsmitarbeiter glücklich, „dass alle untereinander zerstrittenen serbischen Gruppen in der Stadt das Fest zusammen vorbereitet haben.“ Und eine große Sensation, war es, dass auch Gäste aus den Ländern da waren, mit denen Serbien bis vor kurzem in Feindschaft lag: Aus Mazedonien, Slowenien, Montenegro – aus Bosnien kam sogar Botschafter Despotovic. Jetzt soll es jeden Sommer so ein Fest in Berlin geben – und wer weiß, vielleicht finden sich eines Tages die Botschaften der einst zerstrittenen Länder unter einem Dach. Wie die nordischen Botschaften der Skandinavier.

Während sich ein Hammel am Grill drehte, unterhielten sich Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur und konnten den schon im Literarischen Quartett behandelten Belgrader Schriftsteller Dragan Velikic treffen – dessen Jahr als DAAD-Stipendiat in Berlin heute endet. Belgrads Parlamentspräsident Dragoljub Micunovic beschwor den Geist der neuen Zeit, in der es nur noch das geben soll: Frieden, Demokratie, Zusammenarbeit. Botschafter Bozinovic, der selbst, in friedlichen Zeiten bei Micunovic studiert hatte, strahlte. „Das war kein normales Gartenfest – es war ein Zeichen des Neubeginns.“Caroline Fetscher

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