Friedhofsstreit : Gummienten auf Loriots Grab - würdelos oder humorvoll?

Loriot-Fans schmücken seine letzte Ruhestätte mit Badewannen-Entchen und Porzellanmöpsen. Kritiker halten das für pietätlos, das Grab werde damit ins Lächerliche gezogen.

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Anfangs war es nur ein einsames Entlein.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
27.02.2012 14:43Anfangs war es nur ein einsames Entlein.

Eine Quietscheente ist doch nun wirklich das Harmloseste, was es gibt, sollte man denken. Denkste. In einem von Loriots bekanntesten Werken, „Zwei Herren im Bad“, wird ein Exemplar dieser Gattung zum Anlass einer mittelschweren Krise zwischen Herrn Doktor Klöbner („Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht!“) und Herrn Müller-Lüdenscheidt („Sie lassen jetzt sofort die Ente zu Wasser!“). Quietscheenten haben offenbar das Potenzial, die Gemüter zu erregen, auch jetzt wieder. Manche von Vicco von Bülows treuen Anhängern erweisen ihm die Ehre, indem sie Plastikentchen auf seinem Grabstein auf dem Waldfriedhof Heerstraße abstellen. Inzwischen ist aus den einzeln platzierten Plastiktieren eine ganze Entenfamilie in Gelb, Schwarz und Türkis geworden. Und nicht jedem gefällt das.

„Die Pietät gebietet es, der Grabstätte ihre Würde zu belassen und sie nicht ins Lächerliche zu ziehen“, schrieb vor kurzem ein Leser an den Tagesspiegel. Nicht ohne Grund trage von Bülows Grabstein nicht den Künstler-, sondern seinen bürgerlichen Namen Bernhard-Viktor von Bülow. Aber lebt Loriot nicht gerade in den Figuren fort, die er geschaffen hat? Und: Sind Grabstätten nicht ganz individuell gestaltete Orte der Erinnerung? Eine zwiespältige Angelegenheit. Wie sieht es denn bei Loriots Friedhofsnachbarn aus? 

Erinnerung an Loriot
Ein Mann mit vielen Gesichtern: Vicco von Bülow alias "Loriot" ist tot und das ruft im ganzen Land Rektionen hervor.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: dapd
23.08.2011 13:55Ein Mann mit vielen Gesichtern: Vicco von Bülow alias "Loriot" ist tot und das ruft im ganzen Land Rektionen hervor.

Er ist ja nicht der einzige Prominente, der auf dem Waldfriedhof Heerstraße bestattet ist. George Grosz: Fehlanzeige, nur das übliche Grün, keine auffälligen Beigaben. Aber bei Horst Buchholz: Den Grabstein schmückt ein Foto aus seiner besten Zeit, das ikonische Bild mit Schiebermütze vor dem Brandenburger Tor aus Billy Wilders Film „Eins, zwei drei“. Steinchen liegen auf seinem Grab, eine Tradition, die offenbar auch außerhalb des jüdischen Kulturkreises immer populärer wird. Ein Stein trägt sogar eine Widmung: „Lieber Gruß, Ecki 2010“.

Kryptischer wird es bei Joachim Ringelnatz. Jemand hat ein Fläschchen Eierlikör und die Figur einer spanischen Tänzerin abgestellt. Der Bumerang, der an einer Stange im Wind baumelt, erschließt sich unmittelbar. Denn das Gedicht von Ringelnatz, auf das er Bezug nimmt, hängt gleich daneben: „War einmal ein Bumerang/War ein weniges zu lang/Bumerang flog ein Stück/Aber kam nicht mehr zurück/Publikum – noch stundenlang/wartete auf Bumerang.“

Eigentlich ist das alles verboten. Die städtischen und konfessionellen Friedhöfe in Berlin unterliegen dem Friedhofsgesetz, zusätzlich kann der entsprechende Träger eine eigene Ordnung erlassen. Im Gesetz steht, dass nicht biologisch abbaubare Materialien auf Gräbern nicht gestattet sind. Und weiter: „Gegenstände, die der Würde des Friedhofs nicht entsprechen, dürfen auf den Grabstätten nicht aufgestellt und verwahrt werden.“ Das Gesetz in seiner derzeit gültigen Fassung stammt von 1976.

„Die Sitten und Gebräuche sind heute andere“, sagt Anke Wünnecke, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig für Friedhofsangelegenheiten. „Was die Besucher auf den Grabstätten ablegen, ist auch ein Ausdruck von Zeit und Gesellschaft. Wir tolerieren das in der Regel.“ Völlig geschmacklose Gegenstände würden ohnehin nicht abgelegt. Und: „Friedhöfe wollen ja nicht gegen die Besucher anarbeiten, sondern ihnen entgegenkommen und Trauer ermöglichen“, sagt Wünnecke.

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