Berlin : Friedliche Party

Feiern ohne Randale: Polizei verhinderte Streit zwischen Kurden und Türken

Tanja Buntrock

Friedliche Feiern hatte die Polizei im Vorfeld erwartet und recht behalten mit ihrer Prognose: Randale nach dem EM-Halbfinale am Mittwochabend blieb aus. 84 Festnahmen, 15 Verletzte – bei 500 000 Feiernden auf der Fanmeile und mehr als 50 000 Fans an den anderen öffentlichen Veranstaltungsorten sei das „eine geringe Zahl gemessen an der Menge der Fußballfans“, bilanzierte die Polizei gestern.

Ein 64-jähriger Mann ist gegen 2.45 Uhr im Schifffahrtskanal nahe dem Hauptbahnhof ertrunken. Noch sind die Hintergründe unklar, einen Zusammenhang mit der EM-Feier kann die Polizei bisher nicht ausschließen. Die Stimmung nach dem Schlusspfiff des Spiels stand lediglich am Kottbusser Tor in Kreuzberg ein wenig auf der Kippe. Dort hatten sich an der Ecke Adalbertstraße 150 Kurden und 250 Türken „in gereizter Stimmung gegenübergestanden“, wie es bei der Polizei hieß. Sie versammelten sich auf der Fahrbahn des Kreisverkehrs. Viele Kurden hatten Deutschland-Trikots an und Deutschland-Fahnen in der Hand, vereinzelt waren „Kurda“-Rufe zu hören. Sofort stellten sich behelmte Beamte aus den Einsatzhundertschaften zwischen die beiden Gruppen, ohne jedoch einzugreifen. Man habe auf Deeskalation gesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Auch das bengalische Feuer, das ein Fan in der Menge zündete, ließen die Beamten abbrennen.

Kurz darauf spielte sich dann eine Straßenband mit Tuba, Gitarre und Akkordeon in den Vordergrund, spontan strömten die Menschen zum Tanzen zusammen. Gegen 0.30 Uhr löste sich die Fangemeinde rund um das Kottbusser Tor allmählich auf, denn die meisten waren mittlerweile weitergezogen. Ihr Ziel: „Na, klar – Ku’damm“. 15 000 Menschen, vorwiegend deutsche Fans, aber auch viele Türkei-Anhänger feierten rund um Breitscheidplatz und Joachimstaler Straße den Einzug ins Finale.

Der Kurfürstendamm war, wie bei den vorigen Spielen auch schon, von der Polizei zur „Fußgängerzone“ erklärt worden. Die Autokorsos wurden weit vorher umgeleitet. 1700 Beamte, darunter auch Unterstützung von der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern, waren im Einsatz. In der Party-Nacht wurden 40 Strafverfahren eingeleitet, die meisten wegen kleinerer Körperverletzungen, Beleidigungen und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Tanja Buntrock

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