Berlin : Friedrichs Flötentöne

Mitten im Spreewald beginnt an diesem Wochenende der Brandenburgische Dorfkirchensommer In vielen Orten gehören die Veranstaltungen zu den Höhepunkten des Jahres.

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Potsdam - Wenn es Sommer wird, kommen die Berliner. Mit dem Fahrrad, dem Auto oder der Bahn zieht es sie in die Natur. Und in den Dörfern Brandenburgs ist zuweilen auch die Kirche ein Anlaufpunkt für die Touristen, etwa, wenn dort ein Konzert stattfindet oder eine Lesung – und die Veranstaltung im Programmheft des „Brandenburgischen Dorfkirchensommers“ verzeichnet ist. An diesem Sonntag wird die neue Ausgabe der seit 1995 laufenden Veranstaltungsreihe mit einem Flötenkonzert und Musik aus der Zeit Friedrichs des Großen in der Schinkelkirche des Spreewalddorfes Straupitz eröffnet.

Hinter dem Dorfkirchensommer stehen drei Frauen: Antje Leschonski, Ilse Mathiebel und Kerrin von Schwerin. Als in den 90er Jahren noch viele Dorfkirchen baufällig waren, machen sie gemeinsam Ausflüge. Auf dem Lande klingelten sie bei den Pfarrern, erbaten Einlass in die alten Kirchen. Manchmal mussten sie erst noch einen Ehrenamtlichen finden, der irgendwo den Schlüssel hütete, oft waren die Gotteshäuser baufällig. Doch die Berlinerinnen hatten ihren Spass – und Ute Gandow, die Frau des ehemaligen Sektenbeauftragten, hatte die Idee eines zentralen Programms, das die Veranstaltungen, die es im Sommer landauf, landab in den Kirchen gibt, zusammenfasst. „Als Service für andere Ausflügler“, erinnert sich Antje Leschonski.

Mittlerweile ist der Dorfkirchensommer ein Selbstläufer geworden. Die Kirchengemeinden melden ihre Veranstaltungen fast automatisch an die Organisatorinnen. 200 Veranstaltungen finden sich in diesem Jahr in der Broschüre. Antje Leschonski und ihre Mitstreiterinnen kümmern sich heute vorwiegend um den Vertrieb des Programmheftes, legen es in Kirchen und Buchhandlungen aus.

Und sie spüren die Dankbarkeit der teilnehmenden Kirchengemeinden. Denn für die Menschen in den brandenburgischen Orten zählen die Veranstaltungen des Dorfkirchensommers zu den Höhepunkten des Jahres. Wann sonst kommt etwa der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker nach Wustrau-Radensleben? Oder wann sonst kommt der frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe nach Ruhlsdorf?

„Wir machen jetzt schon seit einigen Jahren beim Dorfkirchensommer mit und erleben immer wieder, dass die Veranstaltungen auch Menschen anziehen, die sonst um die Kirche einen großen Bogen machen“, beschreibt Axel Strohbusch, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats in Ruhlsdorf, das Interesse der Besucher. Schon deswegen engagiere sich seine Kirchengemeinde gern bei dem Programm. „Außer dem Oktoberfest gibt es ja auch nicht so viele andere Ereignisse bei uns um Dorf.“

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