Friedrichsfelde : Ein Schloss für den Zoo-Chef

Der Tierpark Friedrichsfelde übernimmt wohl das historische Gebäude - Ende Oktober wird es geräumt. Ob das Schloss künftig der Öffentlichkeit vorenthalten wird oder sich die Aussichten erheblich verbessern, darüber wird heftig gestritten.

Werner Kurzlechner
friedrichsfelde
Tierische Vorfreude. Bald hat vermutlich der Tierpark das Sagen in Schloss Friedrichsfelde. Geklärt werden soll, wie viel Platz...Foto: dpa

Die Förderer von Schloss Friedrichsfelde sorgen sich, dass ein „Juwel preußischer Geschichte“ der Öffentlichkeit künftig vorenthalten wird. Der Senat prophezeit der ehemaligen Nebenresidenz der Hohenzollern hingegen bessere Aussichten als bisher. Wie die Zukunft des mitten im Tierpark gelegenen Schlosses genau aussieht, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich übergibt die Finanzverwaltung als Eigentümer das Schloss zum 1. Januar an den Tierpark. Senat und Abgeordnetenhaus haben das im Juni so beschlossen. „Wir verhandeln noch“, sagt Bernhard Blaskiewitz, Direktor von Tierpark und Zoo.

Das Museum als bisheriger Nutzer will sich künftig auf wenige Standorte in Mitte konzentrieren. „Wir ziehen Ende Oktober aus“, sagt Anja Schulze, Sprecherin der Stiftung Stadtmuseum. Bis 26. Oktober sei die Ausstellung noch zu sehen, dann wanderten die Sammlungsstücke erst einmal ins Depot, so Schulze. Kostbare Tapeten aus dem 18. Jahrhundert, Gemälde, Porzellan und Silber werden erst einmal eingemottet.

„Übergeben wird in jedem Fall eine nackte Hülle“, meint Rüdiger von Treskow vom Förderverein Friedrichsfelde, dessen Vorfahren von 1816 bis 1945 Eigentümer des Schlosses waren. Er fürchtet „Eingriffe in die Bausubstanz, die nicht mehr rückgängig zu machen sind“ – beispielsweise den Abbau edler, maßgefertigter Wandbespannungen. Außerdem bangt von Treskow um den Festsaal, der bislang als schmucke Kulisse für Konzerte und andere Veranstaltungen dient. Insbesondere quält von Treskow aber die Sorge, dass Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blaskiewitz samt Verwaltung in die historischen Räume einziehen könnte: „Das wäre barbarisch.“

Blaskiewitz will sich über derartige Pläne nicht äußern. Der Beschluss der Politik schreibt weiterhin eine öffentliche und kulturelle Nutzung vor. Über Art und Umfang verhandeln Kulturstaatssekretär André Schmitz und Blaskiewitz noch. „Es geht ums Wie und Was“, so der Zoodirektor. „Wir rechnen mit einer kulturellen Aufwertung“, sagt Schmitz’ Sprecher Torsten Wöhlert. Was genau es in Friedrichsfelde künftig geben wird, steht wohl erst im Oktober fest. Am 10. Oktober tagt der Landesdenkmalrat im Schloss.

Wöhlert kündigt an, dass künftig mehr Geld für das Schloss zur Verfügung stehen soll. Zunächst einmal solle der Tierpark vom Land vier Millionen Euro Investitionsmittel zur Sanierung des Gebäudes erhalten. Anschließend stünden für den jährlichen Betrieb 500 000 Euro an Landes- und Bezirksgeldern zur Verfügung. Zudem beteilige sich die Stiftung Stadtmuseum auch künftig mit 56 000 Euro jährlich und engagiere sich weiter auch inhaltlich. Bislang habe sich der Etat auf 320 000 Euro jährlich belaufen, so Wöhlert. Zuletzt hätten lediglich 2500 Tierparkbesucher den gesonderten Eintritt von zwei Euro für eine Schlossführung bezahlt. „Man hat das Schloss schon lange kaputt gespart“, hält von Treskow entgegen. „Und jetzt wird es seiner Attraktionen beraubt.“

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