Berlin : Friedrichshain: Bunter Mix lässt auf sich warten

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Im Jahr 2010 sollen die ersten Läden und Bewohner in das neubebaute Revaler Viereck einziehen. Ein modernes Stadtquartier ist auf dem 100 000 Quadratmeter großen Bahngelände an der Revaler Straße geplant, "Mischnutzung" heißt das Zauberwort, mit Wohnungen, Büros, Gewerbe, Grünflächen, Einzelhandel und Kultur. Die denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) werden ausgebaut. Wer die zurzeit eher sozial schwache Umgebung "aufwerten" wird, ist noch völlig ungewiss. Genaue Pläne über die Zahl der Wohnungen und Gewerbetreibenden in dem künftigen Quartier gebe es noch nicht, sagt Jürgen Heyder, Berliner Niederlassungsleiter der Vivico Management GmbH. Das bundeseigene Unternehmen ist Eigentümerin des Geländes. Ihr Auftrag ist eine "wertoptimale Vermarktung". Mit dem Baubeginn rechnet Heyder jedoch frühestens 2003.

Derzeit befindet sich der sozio-kulturelle Verein RAW-Tempel auf einem Teil des Geländes. Wie berichtet, wurde dessen Zwischennutzungsvertrag gekündigt. Dies könne rückgängig gemacht werden, sagt Heyder, sobald die beanstandeten Mängel behoben werden. "Wir haben kein Interesse, die Leute da hinauszuwerfen." Im Gegenteil: Mittels der kulturellen Zwischennutzung gelange ein städtebaulich "weißer Fleck" - Bahngelände - ins Bewusstsein der Bevölkerung. Auch wenn einige der etwa 70 ökologisch orientierten Leute, die auf dem Gelände arbeiten, das wohl nicht so gerne hören: Ihr buntes Schaffen dient auch der Image-Pflege des innerstädtischen Filetstücks. Dafür nutzen die rund 33 Künstlerinitiativen und sozialen Projekte das Grundstück am S-Bahnhof Warschauer Straße quasi mietfrei.

Nach einer Ortsbegehung Anfang Mai hatte die Vivico grobe Vertragsverletzungen festgestellt: Einige Künstler wohnen unerlaubt auf dem Gelände, außerdem sind Elektro- und Heinzungsinstallationen nicht nach geltenden Brandschutznormen erfolgt. RAW-Tempel fungiert als Untermieter des Bezirksamts. Der vor zwei Jahren abgeschlossene Vertrag sollte bis Juni 2002 gelten, mit der Option auf halbjährliche Kündigung. Mehrere Mahnungen und Gespräche, sagt Heyder, hätten nicht zum Erfolg geführt. RAW-Tempel versucht nun, mit Hilfe des verfügbaren Geldes am Boxhagener Platz, der als Problemgebiet einen Quartiersfonds zur Verfügung hat, die nötigen sicherheitstechnischen Umbauten zu finanzieren. Leer soll das Grundstück bis Baubeginn jedenfalls nicht bleiben: Wenn es mit den RAWlern nicht klappt, will sich die Vivico andere Zwischennutzer suchen.

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