Friedrichshain : Initiative fordert Silvio-Meier-Straße

18.05.2011 11:20 UhrVon Johannes Radke

Eine Initiative fordert die Benennung einer Straße nach dem von Neonazis ermordeten Silvio Meier. Friedrichshain ist nach Zahlen der Opferberatungsstelle Reachout seit mehreren Jahren der Bezirk mit den meisten rechtsextremen Gewalttaten.

Die Friedrichshainer „Initiative für ein aktives Gedenken“ fordert die Benennung einer Straße nach dem von Neonazis ermordeten Silvio Meier. Mehr als 50 Initiativen, Politiker, Antifagruppen, Geschäfte, Kneipen und Einzelpersonen haben dazu einen offenen Brief an die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg unterzeichnet. Grüne und die Linke unterstützen den Vorschlag. Schon im Dezember 2010 hatte die BVV den Beschluss gefasst, „durch eine Benennung im öffentlichen Raum, den 1992 von Neonazis ermordeten Silvio Meier zu ehren.

(…) Die Auswahl eines geeigneten öffentlichen Ortes in der Nähe der U-Bahnstation Samariterstraße soll in enger Abstimmung mit der damit befassten Bürgerinitiative erfolgen.“ Seither sei aber nichts mehr passiert, kritisiert die Initiative.

In dem Brief fordern die Unterzeichner noch vor der Wahl im Herbst den BVV-Beschluss umzusetzen und eine Straße oder die neue Zentralbibliothek des Bezirkes in der Frankfurter Allee nach Meier zu benennen. „Es geht um eine Auseinandersetzung mit der Angelegenheit auch abseits vom Todestag“, heißt es in dem Brief. Gewalt von Neonazis im Stadtteil sei nicht Geschichte, sondern immer noch aktuell. Tatsächlich ist Friedrichshain, nach Zahlen der Opferberatungsstelle Reachout, seit mehreren Jahren der Bezirk mit den meisten rechtsextremen Gewalttaten.

Der 27-jährige Hausbesetzer Meier verblutete am 21. November 1992 auf dem U-Bahnhof Samariterstraße nachdem ein Neonazi mit einem Messer auf ihn einstach. Meier hatte sich zuvor über einen Aufnäher „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ von einem aus der Gruppe der Rechten empört. Nach der Tat riefen die Angreifer „Jetzt haben wir es euch gezeigt, ihr linken Säue.“ Der 17-jährige Haupttäter wurde 1993 wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Zwei Mitangeklagte erhielten Freiheitsstrafen von dreieinhalb Jahren, beziehungsweise acht Monaten auf Bewährung. Silvio Meier ist eines von 137 Todesopfern rechter Gewalt seit 1990, deren Schicksale der Tagesspiegel recherchiert hat.

    Ein Service von
    Angebote und Prospekte von kaufDA.de
Videos - Berlin
Service

Umfrage

Berlins Badesaison ist eröffnet: Welcher ist Ihr liebster Badesee?

Der Stadtleben-Blog

In Berlin kommt man nicht zur Ruhe. Zum Glück. Hier bloggen vier Tagesspiegel-Autoren über Kultur, Szene und Nachtleben der Stadt.
Berichte aus einer lauten Stadt

Das Berliner Programm

Nachrichten aus den Bezirken

Umfrage

Airlines fordern eine Lockerung des Nachtflugverbots in Tegel. Ihre Meinung dazu:

Weitere Themen

Willkommen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden Lesungen und Salons, Konzerte, Vorträge und Seminare für Leserinnen und Leser statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite

Tagesspiegel-Spendenaktion

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...