Berlin : Friedrichshain-Kreuzberg: Beim Grün sieht der Bezirk rot

Katharina Körting

Große Pläne gibt es für das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) an der Revaler Straße, doch die Ideen kommen von zwei völlig verschiedenen Seiten. Der Konflikt ist programmiert, denn es geht, wie so oft, um Geld. Das wurde auf einer Podiumsdiskussion des "Stadtforums von unten" am Dienstag deutlich. Die Zukunft des RAW-Geländes, das sich längs der Gleise von der Warschauer Brücke bis zum Ostkreuz erstreckt, und des Gleisdreiecks stand auf der Tagesordnung. Beide Immobilien sind Eigentum der Deutschen Bahn AG.

Die rund 70 ökologisch orientierten Leute, die seit zwei Jahren auf dem RAW-Gelände ihre provisorischen Ateliers und Werkstätten haben, streben ein nicht-kommerzielles, umweltfreundliches Projekt an - die Bahn will das Grundstück jedoch vermarkten. "Wir möchten den Charakter der alten Werkhallen erhalten", sagte Frauke Hehl vom Verein RAW-Tempel. Nachhaltige Stadtentwicklung von unten heißt das Schlagwort der 30 Projekte. Doch die Chancen dafür stehen schlecht, weil es um ein innerstädtisches Filetstück geht.

"Die Flächen sollen entwickelt werden und einer neuen Nutzung zugeführt werden", sagte Jürgen Heyder von der Vivico Management GmbH, einer Nachfolgerin der Eisenbahnimmobilien-Management GmbH (EIMM), die das Gelände verwaltet. Die will auch auch RAW-Tempel, dessen Nutzungsvertrag bis Juni 2002 läuft. Aber der Auftrag auch der Vivico lautet, die Immobilie "wertoptimal zu vermarkten". Mehrere hundert Wohnungen und Büros sind neben Läden und Parkplätzen geplant. Der Bezirk ist gegen diese verdichtete Bebauung und favorisiert eine klein-kulturelle Nutzung mit viel Grün. "Wohnungen mit 25 bis 30 Mark Mietzins pro Quadratmeter braucht Friedrichshain mit seinen Tausenden leer stehenden Wohnungen nicht", sagte Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) - Räume für Kulturschaffende, die keine hohen Mieten zahlen können, jedoch schon. "Die Rechtslage ist verzwickt", sagte der Baujurist Rudolf Schäfer. Denn bevor der Bezirk Planungshoheit bekommt, müsste das Grundstück vom jetzigen Eisenbahngelände in Bauland oder Grünfläche umgewidmet werden. Das geht nur auf Betreiben der Bahn, ein Druckmittel hat der Bezirk nicht. Andererseits kann die Bahn die Fläche nicht verwerten, ehe sie als Bauland gilt. Eine Einigung ist also zwingend, doch diese liegt weit entfernt.

Eine ähnlich komplizierte Situation mit einander widerstreitenden Interessen zeigt sich für die 80 Hektar große Fläche am Gleisdreieck. Zwei Drittel davon gehören der Bahn. Auf dem Gelände zwischen Anhalter und einstigem Potsdamer Bahnhof mitten in der Stadt waren in den vergangenen Jahrzehnten Bäume gewachsen und Wiesen entstanden: Dort ist seit Jahren ein Park samt Sportanlagen geplant. Als Ausgleich für die Bauten am Potsdamer Platz sicherte die Bahn der Stadt damals 16 Hektar Grünfläche zu. Auch die Finanzierung steht. "Die 16 Hektar Park haben wir in der Tasche", sagte Schulz. Es gehe nun darum, mehr Grünfläche herauszuschlagen - und sich nicht von der Bahn über den Tisch ziehen zu lassen. Denn statt ursprünglich zehn Hektar will die Vivico nun doppelt so viel Land bebauen, mit 30-stöckigen Hochhäusern für Luxusappartments.

Das Grün wäre einzeln zwischen den Häusern verteilt - und dadurch nicht als dringend benötigte, innerstädtische Erholungsfläche nutzbar. "Die Bahn blockt", ärgert sich Schulz.

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