Berlin : Friedrichshain-Kreuzberg: Jetzt regiert die PDS im Westen mit

Katharina Körting

Bürgermeisterin

Bärbel Grygier (parteilos, für PDS) erhielt 37 Jastimmen bei 23 Neinstimmen und sechs Enthaltungen. Zwölf Verordnete der rot-rot-grünen Zählgemeinschaft stimmten nicht für die derzeitige Hohenschönhausener Bezirkschefin. Die 45-jährige promovierte klinische Psychologin und Psychotherapeutin ist in Friedrichshain geboren und hat 42 Jahre dort gelebt. Seit über drei Jahren wohnt sie Kreuzberg. "Das Lebensgefühl in den beiden Bezirken ist ähnlich", sagt Grygier, die die Ressorts Gesundheit und Personal sowie den Steuerungsdienst übernimmt. Die Bekämpfung der Armut in dem Großbezirk, der mit 25 Prozent Arbeitslosen und vielen Sozialhilfeempfängern der sozial schwächste der Stadt ist, habe für sie Priorität.

Vize, Finanzen,Verwaltung

Der Christdemokrat Michael Schäfer wird Finanzstadtrat im gemeinsamen Bezirk. Zurzeit arbeitet der 42-Jährige als Stabschef bei Innensenator Eckart Werthebach (CDU). "Ich kenne Kreuzberg sehr gut und Friedrichshain nur vom Durchfahren", sagt Schäfer, der mit seiner Familie in Spandau wohnt. Wichtigstes Ziel des gelernten Verwaltungsbeamten ist, dass die Bürger von der Fusion so wenig wie möglich merken, und dass die Verwaltung leistungsfähig bleibt. Für die Bezirke Steglitz und Zehlendorf hat er 1999 eine Studie zur Verbesserung der Bürgerorientierung in der Verwaltung gemacht. "Das lässt sich auf Friedrichshain-Kreuzberg übertragen", meint Schäfer.

Bauen, Stadtentwicklung

Das Bauressort übernimmt der jetzige Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz (Bündnis 90 / Grüne). Der 52-Jährige ist seit 1990 Parteimitglied und auch seit dieser Zeit in der Kommunalpolitik, zunächst in der BVV. "Vorher war ich strikt gegen Parteien", sagt Schulz, der sich statt dessen als Hausbesetzer für einen Kinderladen in der Cuvrystraße und in der linken Kreuzberger Szene engagierte. 1996 wurde der promovierte Physiker mit den Stimmen der CDU Bürgermeister. Als Baustadtrat will der Vater eines 21-jährigen Sohnes versuchen, das Konzept der "sozialen Stadt" umzusetzen. In Kreuzberg gebe es bald keine Sanierungsgebiete mehr, während die Sanierung in Friedrichshain erst angefangen habe. Entsprechend fließe mehr Geld in den Ostteil.

Wirtschaft, Soziales

Der Friedrichshainer Lorenz Postler übernimmt für die SPD die Ressorts Wirtschaft und Soziales. Der 42-Jährige ist gelernter Stukkateur und Sozialpädagoge. Vor der Wende hat er Jugendarbeit gemacht. "Dann bin ich in die Kommunalpolitik eingestiegen", erzählt er, "das politische Gestalten macht mir großen Spaß. Seit 1991 arbeitet er als Stadtrat in Friedrichshain, zurzeit hat er das bereits fusionierte Sozial- und Gesundheitsressort inne. Hauptziel sei die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, indem Initiativen zur Existenzgründung und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Sozialbereich vernetzt würden. Außerdem will er die elektronischen Dienste ausbauen, so dass die Bürger Formulare online abrufen und einspeisen können. Lorenz Postler hat drei Kinder.

Jugend, Familie

Die gelernte Bibliothekarin Cornelia Reinauer (PDS) wird Jugendstadträtin. Mit 44 Jastimmen erzielte sie das beste Ergebnis. Zurzeit ist die 47-Jährige Gesundheitsstadträtin und stellvertretende Bürgermeisterin in Marzahn. Den Ost-West-City-Bezirk kennt sie allerdings gut, zumindest dessen Westteil: Sie wohnt seit 1978 in Kreuzberg. "Ich sehe die Fusion als Chance und als Herausforderung", sagt Reinauer, "Kommunalpolitik macht Spaß." Für eine kinder- und familienfreundliche Stadt will sie sich einsetzen. Eigene Kinder hat sie nicht. Beschäftigungspolitik für Jugendliche steht weiter auf ihrer Liste. Bevor sie in die Politik ging, hat sie in der Stadtbibliothek Kreuzberg gearbeitet, war auch stellvertretende Vorsitzende des Personalrats.

Bildung, Kultur, Sport

Joachim Kohl von der CDU schaffte es erst beim vierten Wahlgang. Seine Kompetenz als Stadtrat wird von PDS und Grünen arg bezweifelt. Der 51-Jährige ist seit einem Jahr Jugendstadtrat in Friedrichshain. Kohl ist Friedrichshainer und 1992 in die CDU eingetreten. Der gelernte Bäcker, Konditor und Betriebswirt übernimmt die Ressorts Bildung, Kultur und Sport. Was die PDS angeht, klingt er moderater als seine Parteifreunde: "Ohne Zusammenarbeit bewegt sich nichts in einem Bezirksamt." Er will die Bildungschancen für Jugendliche verbessern, indem er sich für Computer an Schulen einsetzt. Außerdem sollen ausländische Kinder in Kindergarten und Vorschule Deutsch-Unterricht erhalten. Kohl ist in Jüterbog geboren und lebt seit 23 Jahren in Berlin.

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