Berlin : Friedrichshain: "Oooaaazapft is!" auf der Karl-Marx-Allee

Ole Töns

"Berlin, ick liebe dir, du bist die Schönste!", sprach Wirtschaftsstadtrat Lorenz Postler (SPD), bemerkte noch, dass er nun doch sehr durstig sei, und schlug den Zapfhahn hurtig in das Bierfass. "Oooaaazapft is!", kam die Antwort prompt schallend mannhaft und bayerisch aus dem Publikum unter weißblauen Girlanden.

Lederhosen, knappe Dirndl, Jodler und Seppelhüte waren keine Seltenheit als gestern das fünfte Berliner Bierfestival im weißblau dekorierten Bierzelt auf der Karl-Marx-Allee eröffnet wurde. Denn das Motto der diesjährigen Leistungsschau mittelständischer Brauereiunternehmer war sowohl bayerisch als auch gewissermaßen national verbindend: das Deutsche Reinheitsgebot, verkündet erstmals 1516 vom Bayerischen Herzog Wilhelm IV. Unter diesem Leitspruch werden sich bis Sonntag 196 Brauereien aus 72 Ländern mit 1500 Biersorten auf 1,8 Kilometern der einstigen Paradestraße des realexistierenden Sozialismus präsentieren. Der Schwerpunkt liegt dabei naheliegenderweise auf den fränkischen und bayerischen Produkten. Damit aber, dass der Friedrichshainer Stadtrat das von südwärts des Weißwurstäquators dominierte Festival mit einem Bekenntnis zur preußischen Metropole begann, war es dann auch schon vorbei, mit den regionalen Bekenntnissen.

Selbst der bayerische Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten, Josef Miller (CSU), der zu später Stunde noch zum festlichen Empfang im Bierzelt geladen war, wollte so recht nicht in den neuesten Städtewettstreit einstimmen. Zur Liebeserklärung für München, mit der kürzlich der Berliner Spitzenkandidat CDU, Frank Steffel im beginnenden Berliner Wahlkampf für Aufsehen gesorgt hatte, war von ihm nur Diplomatisches zu hören. Das sei doch kleinkariert, den Steffel jetzt zu tadeln, ließ der Minister wissen. Bayern und Bier, das ist für Minister Miller zwar ein untrennbarer Zusammenhang, doch auch der Bayer trinke gern mal eine Berliner Weiße.

"Bier kennt keine Mauern, Bier verbindet", so war im Übrigen von der frischgekürten Präsidentin des Bundesverbandes mittelständischer Brauereiunternehmer, Renate Scheibner, in Sächsisch zu hören. Und: "Bier braucht Heimat". Womit die aus vom Fuße des Erzgebirges stammende Brauereichefin nicht nur Stimmung machen wollte, sondern auch eine Tendenz auf dem Biermarkt auf den Punkt brachte: Die Großen verkaufen und fusionieren, und die kleinen und mittelständischen Regionalbrauereien haben derzeit Aufwind, so Scheibner. Na dann Prost, wenn sie schon mal alle 1500 miteinander in Berlin sind!

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