Friedrichshain : Um die O2 World entstehen neue Gebäude

15.09.2011 08:34 UhrVon Ralf Schönball
Millionenprojekt. Neubauten entstehen östlich der O2-Arena und sollen auch Platz für Cafés und Geschäfte bieten. Foto: Mike Wolff
Millionenprojekt. Neubauten entstehen östlich der O2-Arena und sollen auch Platz für Cafés und Geschäfte bieten. - Foto: Mike Wolff

Ein österreichischer Baukonzern errichtet ein Hotel und Büroräume mit einer Fläche von 34 000 Quadratmetern östlich der O2-World. Insgesamt sind auf dem Anschutz-Areal fünf Hochhäuser genehmigt worden.

Die städtebauliche Wüste an der O2-World lebt: Der österreichische Baukonzern Porr hat das südöstlich von der Halle gelegene Baugrundstück gekauft und will den Grundstein für ein neues Hotel mit 220 Betten und einen „Bürocampus“ auf dem 7500 Quadratmeter großen Baugrundstück bereits im Frühjahr kommenden Jahres legen. Ein Drittel der entstehenden Flächen ist vergeben: Der Baukonzern zieht mit seinen Mitarbeitern selbst ein, ebenso Anschutz und der Eishockeyklub Eisbären. Das reichte den Banken als Sicherheit. Sie finanzieren das 71 Millionen Euro teure Projekt, für das Porr eine Bauzeit von nur eineinhalb Jahren veranschlagt.

Porr ist der zweitgrößte österreichische Baukonzern und wollte in Berlin eigentlich ein Hotel am Alexanderplatz auf dem bananenförmigen Grundstück der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichten.

Doch Porr-Chef Christian Berger zufolge ist „der türkische Hotelbetreiber abgesprungen“. Deshalb trat der Konzern von dem Kaufvertrag zurück. Die Degewo muss nun einen neuen Käufer für das Areal am Alexanderplatz suchen.

Für Anschutz ist das eine gute Nachricht, denn Chefplaner Michael Kötter sieht den Alexanderplatz durchaus als Konkurrenz zum eigenen Friedrichshainer Entwicklungsgebiet. Durch den „Umzug“ des Porr-Projektes hat Anschutz in diesem Wettbewerb nun gleichsam die Nase vorn. Und nach der bereits im Bau befindlichen Mercedes-Zentrale sei nun „ein weiterer Puzzlestein“ für das Gebiet gelegt, so Kötter, der sich davon eine Beschleunigung der Entwicklung erhofft.

Dass Porr-Chef Berger von einem „Bürocampus“ spricht, liegt an der Verteilung der Baumasse auf vier würfelförmige Gebäudeteile mit einer Grundfläche von jeweils 400 Quadratmetern und zwei Gebäuderiegeln mit jeweils 1000 Quadratmetern, die zum Teil miteinander verbunden sind. Diese Planung der Kreuzberger Architekten Guder Hoffend bringt eine aufgelockerte, von Grün durchzogene Bebauung des Blocks. Sie erlaubt es zudem, die verschiedenen Gebäude mit verschiedenen Fassaden zu verkleiden. Die Einheiten sind leichter zu vermieten, weil auch kleinere Firmen als Mieter infrage kommen – zumal Porr mit 13 Euro Miete je Quadratmeter fünf Euro weniger als am Alexanderplatz verlangt.

„Sehr spannend“ nennt Kötter die am Dienstag im Tagesspiegel vorgestellten Pläne von US-Investor Hines für den Bau eines „Wohnturms“ am Alexanderplatz. „Wenn der Druck am Wohnungsmarkt zunimmt, muss man eben in die Höhe gehen“, sagt der Manager. Auf dem Anschutz-Areal seien fünf Hochhäuser genehmigt, 80 bis 135 Meter hoch. Kötter schließt nicht aus, dass eines davon ein Wohnturm wird. Der Bebauungsplan für das Areal verpflichtet Anschutz dazu, Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 56 000 Quadratmeter zu schaffen.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) begrüßte die Überlegungen von Anschutz, die im Plan vorgesehenen Wohnungen in einem oder zwei Blöcken zusammenzufassen. „Dadurch entsteht Nachbarschaft“ und es sei deshalb „Sandwich-Lösungen“ vorzuziehen, bei denen einzelne Wohnungen auf Büroflächen getürmt und über das ganze Gebiet verstreut werden. Und wie bewertet der Bezirk den Trend zu Wohntürmen, den auch die Anschutz-Manager begrüßen? „Die Mieter in den Punkthochhäusern im westlichen Friedrichshain sind hochbegeistert“, sagt Schulz. Der unverstellte Blick auf Stadt und Himmel verbunden mit dem Metropolenflair sei sehr attraktiv.

Die Neubaupläne von Porr nannte Schulz einen „wichtigen Schritt, um die zurzeit noch wuchtig wirkende Halle städtebaulich zu fassen“. Auch werde der Riegel, der das neue Quartier im Süden begrenzt, wie eine „Lärmbarriere“ zur viel befahrenen Mühlenstraße wirken.

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