Friedrichshain : Verkauft, aber nicht verraten

Das „Revaler Viereck“ in Friedrichshain hat den Eigentümer gewechselt. Die ansässigen Kulturprojekte sind verunsichert, bekommen aber Unterstützung aus dem Rathaus.

Matthias Jekosch
Revaler Viereck
Das Revaler Viereck auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks der Reichsbahn.Grafik: Tsp

In der Alten Klempnerei stellt sich Florian Haver einen Indoor-Spielplatz vor. Die Baupläne hat er gleich mitgebracht. Ein weiteres Projekt ist die „Eisdiele“, wo es neben kalten Leckereien auch eine Lounge für Hörspiele geben soll. Und Architekt Axel Volkmann möchte eine große Grünfläche anlegen, die historischen Gebäude, die nicht völlig marode sind, retten und aus allen Konzepten eine Art Gesamtkunstwerk machen.

Ideen für das sogenannte „Revaler Viereck“ an der Ecke Warschauer Straße/ Revaler Straße gibt es reichlich. Sie haben allesamt nur einen Haken: Vielleicht werden sie nie umgesetzt. Das Friedrichshainer Gelände wurde Anfang August von der Vivico Real Estate an den Investor R. E. D. Berlin Development GmbH verkauft. Der Eigentümerwechsel wird sich allerdings aller Voraussicht nach noch bis zum Jahresende hinziehen. „Jetzt ist die Angst recht hoch“, sagt Architekt Michael Rostalski von der Initiative „Ideenaufruf“.

Von dem über 71 000 Quadratmeter großen Areal werden derzeit nur etwa elf Prozent der Fläche genutzt. Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) „Franz Stenzer“ sind derzeit der Musikclub „Cassiopeia“, der „Kletterkegel“, eine 1600 Quadratmeter große Skatehalle, ein Zirkus sowie zahlreiche Künstlerateliers und ein Sommergarten untergebracht. Der längste Mietvertrag läuft nur noch fünf Jahre. Mehr als fünfzig Menschen verdienen ihr Geld in der ehemaligen Industriebrache zwischen Ruinen, Gestrüpp und Bahnschienen. Über 200 Leute engagieren sich und haben einen lebendigen Kulturbetrieb zum Laufen gebracht. „Das sind Ressourcen und Kräfte, die man einbeziehen sollte“, sagt Architekt Volkmann.

Das Gelände des einst größten deutschen Bahnausbesserungswerkes besteht seit 140 Jahren. Seit 1991 werden dort keine Arbeiten an Eisenbahnen mehr vorgenommen. Dass die Initiative jetzt öffentlich für ihre Vorschläge wirbt, kann auch nach hinten losgehen, weil die R. E. D. ihre Pläne noch geheim halten will. „Das kann man als Provokation auslegen“, sagt Anja Steglich von „Ideenaufruf“. Der R.E.D.-Geschäftsführer Klaus Wagner will sich deshalb zu den einzelnen Ideen nicht äußern. Die Arbeit der Initiative sei „sinnvoll, aber verfrüht“. Derzeit gebe es noch keine konkreten Pläne für das Gelände, doch es gehe in Richtung generationenübergreifendes Wohnen. „Unsere Zielsetzung ist es, die etablierten Nutzer in das Konzept zu integrieren“, sagt Wagner.

Bürgermeister Franz Schulz (Bündnis 90/Die Grünen) verspricht, dass das „Revaler Viereck“ auf die Unterstützung des Bezirkes zählen kann. „Wir wollen die Nutzer einbeziehen und so eine Stadtentwicklung von unten ermöglichen.“ Die Grünen-Bezirksverordnete Antje Kapek könnte sich vorstellen, dass es für das Areal kein einfaches Bebauungsplanverfahren, sondern einen städtebaulichen Vertrag geben könnte, der auch eine kulturelle Nutzung sicherstellt. Demnächst wollen sich alle Beteiligten – Nutzer, Bezirk und Eigentümer – an einen Tisch setzen.

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