Berlin : Friedrichstraße bekommt neues Gesicht

Der Tränenpalast ist an einen Investor verkauft, die Arbeiten am Admiralspalast beginnen bald

Matthias Oloew

Der Tränenpalast ist verkauft, auf der Bühne des ehemaligen Metropol-Theaters sind gestern offiziell die Schlüssel an die neuen Hausherren übergeben worden, und nebenan entsteht ein neuer Hotelkomplex: Die Friedrichstraße, nördlich des S-Bahnhofs, wird in den kommenden Jahren ihr Gesicht völlig verändern.

Nach einem monatelangen erbitterten Streit um den Tränenpalast ist die Entscheidung nun gefallen. Nachdem die Betreiber der Kulturhalle Insolvenz angemeldet haben, hat der Liegenschaftsfonds des Landes die ehemalige Grenzabfertigungshalle der DDR an den Hamburger Investor Harm Müller-Spreer verkauft. Das bestätigte der Fonds-Geschäftsführer Holger Lippmann. Müller-Spreer sagte, er habe die denkmalgeschützte Halle zu dem vom Land geforderten Kaufpreis von 915000 Euro übernommen und akzeptiert, dass sie für 25 Jahre allein kulturell genutzt werden dürfe. Ob die jetzigen Betreiber auch Mieter bleiben werden, ließ Müller-Spreer offen: „Ich vermiete an denjenigen, der ein gutes Konzept vorlegt.“ Das könne der Bund sein, der die Halle als zweiten Standort für sein Haus der Geschichte nutzen will, das derzeit seine Elvis-Ausstellung hier zeigt. Mieter könnte aber auch der bisherige Nutzer und Tränenpalast-Chef Marcus Herold sein.

Mit dem Kauf des Tränenpalasts gehört Müller-Spreer nunmehr das als Spreedreieck bekannt gewordene Areal zwischen Bahnhof, der Friedrichstraße und der Spree. Der Investor will hier ein neun- bis zehngeschossiges Büro- und Geschäftshaus errichten mit 20000 Quadratmetern Nutzfläche. Einen Mieter hat Müller-Spreer nach eigenen Angaben noch nicht unter Vertrag, Baubeginn soll trotzdem im kommenden Jahr sein. Mit dem Erwerb des Tränenpalasts tut sich nun auch eine Möglichkeit auf, die Halle mit dem geplanten Neubau zu verbinden. Müller-Spreer: „Eine Idee, die ich immer hatte.“ Zu den Baukosten sagte er nichts: „Das ist eine neue Situation, die Pläne müssen vollständig überarbeitet werden.“

Mit der Entscheidung für Müller- Spreer sind auch die Bemühungen der Tränenpalast-Betreiber endgültig gescheitert, die Halle selber zu kaufen. Zuletzt versuchte Marcus Herold, den Bund als Kofinanzier zu verpflichten, um das Geld zusammenzubekommen. Doch der Bund stieg wegen „haushaltsrechtlicher Bedenken“ aus, kurz danach meldete Herold Insolvenz an. Erbitterten Streit um das gesamte Areal Spreedreieck hatte es gegeben, weil Müller-Spreer wegen eines dilettantisch eingefädelten Verkaufs einer Teilfläche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Land Berlin in zweistelliger Millionenhöhe geltend machte. Das Land reagierte und schenkte Müller-Spreer weitere Grundstücke. Tränenpalast-Betreiber Herold sah seine Existenz bedroht: Der Senat habe ihm nicht die gleichen Rechte zugestanden.

Die Existenz des Admiralspalasts auf der anderen Straßenseite ist indes gesichert. Die neuen Hausherren um den Chef der Treptower Arena, Falk Walter, wollen, dass das Haus schon im April 2006 wieder in Betrieb geht. Sie kauften das denkmalgeschützte Haus für eine Million Euro und wollen 14 Millionen in die Instandsetzung stecken. Neben dem ehemaligen Metropol-Theater, das künftig nicht mehr so heißen wird, sind eine Studiobühne und ein Club geplant. Das ehemalige Admiralsbad unterm Dach soll wieder in Betrieb gehen und durch die eigenen Solequellen gespeist werden. Das Kabarett „Die Distel“ bleibt im Vorderhaus erhalten, und ein Grand Café, das an der Friedrichstraße geplant ist, soll noch in diesem Jahr öffnen.

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