Berlin : Frische Fische

Seit gestern schwimmen die ersten Bewohner durchs Dom-Aquarée – im tiefsten Aquarium der Welt

Stefan Jacobs

Wohnungen und Büros im Dom-Aquarée sind noch zu haben, aber das Aquarium ist schon ausgebucht. Gestern zogen die ersten Fische in den riesigen Zylinder im Atrium des Hotels, das zu dem Gebäudekomplex zwischen Spandauer Straße und Berliner Dom gehört. Pygar Schröder, der Obertierpfleger, schleppte sie in blauen Eimern aus dem Keller, fuhr mit dem Aufzug durch den hohlen Kern des 16 Meter hohen Acrylzylinders bis ganz nach oben und hievte sie per Kescher ins 24 Grad warme Wasser: Wimpelfische, Schmetterlingsfische, Kaiserfische, schwarz-weiß gestreift, kunterbunt oder knallgelb, schauten kurz nach links und rechts und entschwanden in den türkis schimmernden Weiten von einer knappen Million Liter Salzwasser. Den ganzen Tag lang fuhr Schröder mit dem Fahrstuhl hoch und runter, während ringsum auf der Baustelle Trennschleifer, Bohrhämmer und Hochdruckgebläse tosten. Am späten Nachmittag waren etwa 100 Fische eingezogen. Gut 2500 sollen es bei der Eröffnung Anfang Dezember sein.

Die Bewohner des Zylinders wurden sorgfältig ausgesucht. Bunt sein allein reichte nicht. Geselligkeit war ebenso gefragt, denn Schwärme sehen dekorativer aus als Einzelgänger, die sich irgendwo zwischen den künstlichen Korallen verstecken. Auch dürfen die Fische nicht zu groß werden, müssen sich mit ihren Mitbewohnern vertragen und in der richtigen Bahn schwimmen: Manche sollen sich an der Oberfläche aufhalten, während andere Arten eher unten und wieder andere mitten durch das tiefste Aquarium der Welt schwimmen sollen. So soll genug Platz auch für Arten sein, die sich sonst in die Quere kämen. Weil sich die meisten Tropenfische nicht züchten lassen, wurden sie im Meer gefangen und aus aller Welt per Flugzeug nach Berlin gebracht. Hier mussten sie zuerst in Quarantäne, bevor Schröder sie aus dem Keller ins große Becken brachte.

Insgesamt sollen 50 Arten die High-Tech- Behausung bevölkern. Außerdem werden bis zu drei Taucher im Wasser unterwegs sein, die das Aquarium reinigen. Eine US-Firma hat den Zylinder aus 15 Teilen so zusammengefügt, dass zwischen den bis zu 22 Zentimeter dicken Acrylstücken praktisch keine Fugen mehr zu sehen sind.

Am besten ist die Pracht aus dem Aufzug zu sehen, der durch den Zylinder fährt. Die fünfminütige Fahrt hat allerdings ihren Preis: Ein Kombi-Ticket für den Zylinder und die Sea-Life-Aquarienlandschaft im Nachbargebäude soll 13,50 Euro für Erwachsene und 10 Euro für Kinder kosten. Aus der Hotellobby ist der Blick gratis. Die Vier-Sterne-Herberge eröffnet allerdings erst im März, drei Monate später als die Aquarien. Bis dahin können sich die Fische in Ruhe aneinander gewöhnen. Sofern sie sich in der Weite des Beckens je begegnen.

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