Berlin : Frische Konkurrenz

Wall und Ströer machen Geld zu fließend Wasser: Zwei Firmen rangeln ums Brunnen-Sponsoring

Christian van Lessen

Mit dem Wasser sprudelt auch das Geld: Wenn morgen die Brünnlein am Steglitzer Hermann-Ehlers-Platz und am Donnerstag der historische Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain fließen, hat wieder ein Sponsor die Hand am Hahn. Die Firma Ströer bringt die Wasserspiele in Gang. Sie und das Unternehmen Wall liefern sich einen erfrischenden Wettstreit darum, wer die Betriebskosten für das sprudelnde Naß bezahlt – den ausgedörrten Behördenkassen und vor allem den Berlinern kann die Konkurrenz nur lieb sein.

Die Brunnen der Stadt fließen bald so fleißig wie lange nicht mehr. Die Behörden können sich fast zurücklehnen, über ein „Brunnenprogramm“ muss der Senat nicht groß nachdenken. Die Stadtmöbel- und Außenwerbungsfirmen scheinen es zu richten. Die Diskussion über verödete Brunnen gehört der Vergangenheit an.

Die Unternehmen listen bereits eindrucksvoll auf, wo sie den Hahn aufdrehen, was ohne sie trocken und sehr traurig aussähe: Ströer lässt es vorm Bundeskanzleramt sprudeln, setzt beispielsweise den Neptunbrunnen vorm Roten Rathaus in Gang, die Wasserspiele am Bundeskanzleramt, den Wasserfall im Kreuzberger Viktoriapark, die Fontäne im Weißen See oder auch den Brunnen vorm Zoo am Olof-Palme-Platz. Mit sieben Bezirken gibt es Verträge. Rund eine Million Euro jährlich investiert die Firma in 180 Zierbrunnen, Plantschbecken und Wasserpumpen.

Konkurrent Wall hat etwa 80 Brunnen unter seinen Fittichen, darunter so prominente wie den Wasserklops auf dem Breitscheidplatz, die Anlagen auf dem Wittenbergplatz, dem Theodor-Heuss- und Ernst-Reuter-Platz. Rund 400 000 Euro lässt sich die Firma „ihre“ Brunnen in Berlin kosten.

Der Wettkampf um die Brunnen wird hinter den Kulissen ausgetragen. Die Firmen sind nach außen um sportliche Konkurrenz bemüht. Mit Worten will niemand Brunnen vergiften. „Eine tolle Sache, dass es zwei Unternehmen gibt, die sich um die Brunnen kümmern“, sagt Wall-Sprecherin Beate Stoffers. Die Stadt verfügt über rund 290 öffentliche Brunnen. Mitunter ist es allerdings schwer verständlich, wer für was zuständig ist. Beim Friedrichshainer Märchenbrunnen steht eine Sanierung für 1,3 Millionen Euro an. Die öffentliche Finanzierung ist gesichert, die Arbeiten gehen bald los. Der gemeinnützige Verein zur Förderung der Denkmalpflege „Denk mal an Berlin“ (Vorsitzender Hans Wall) teilt mit, die Sanierung geschehe auf seine „Anregung“. Im Bezirksamt, dessen Brunnenpartner Ströer ist, sieht man das anders. Ob nun Wall oder Ströer den Anstoß gaben: Dem Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park können beide nicht sprudeln lassen. Er lief nach der Eröffnung 1998 nur sechs Wochen. Die schadhafte Anlage wurde stillgelegt. Der Rechtsstreit, wer für die Mängel verantwortlich ist, dauert an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar