Berlin : Frischfisch für alle

Als an die „Findet Nemo“-Premiere noch lange nicht zu denken war, hatte Robbie Williams den Filmsong schon fertig. Der Swingtitel sollte der Höhepunkt der Filmparty sein.

Andreas Conrad

Tja, in ein paar Jahren! Dann sind wir weiter bei der Eroberung virtueller Welten und eine Trickfilmpremiere wie die von „Findet Nemo“ mit dem unentbehrlichen Defilee der Stars bereitet nicht das geringste Problem. All die bunten Fischlein, die wahren Helden des maritimen Spektakels, müssten nicht länger als Papp- oder Plüschtiere das Foyer des Cinestar bevölkern, sondern würden als schillernde Hologramme unterm Sony-Zeltdach über den roten Teppich gleiten.

Die Riege der Synchronsprecher, auf die man notgedrungen zurückgreift, könnte aber weiterhin gern dabei sein. Gestern Abend waren es das Blödelduo Erkan & Stefan, der eine im roten, der andere im blauen Trainingsanzug, Christian Tramitz, einst Ranger im „Schuh des Manitu“, sodann „Hobbythek“-Einstein Jean Pütz, Münchens „Tatort“-Kommissar Udo Wachtveitl und Anke Engelke, die überraschenderweise nicht im geschuppten Kleid erschien wie noch zur Berlinale. Allerdings meinte sie auch, dass sie ohnehin eine absolute Fehlbesetzung als Fischsprecherin sei: Gut schwimmen könne sie nicht, tauchen auch nicht, und außerdem sie sie doch Vegetarierin.

Gegen einen Goldfisch wie Robbie Williams hatten die deutschen Sterne natürlich keine Chancen. Kaum anzunehmen dass ihnen die Treue der Mädels gelten sollte, die sich schon am kalten frühen Nachmittag mit Plastikeimern als Notsitzen an der Absperrung niedergelasssen hatten. Bis zuletzt hofften sie, dass Robbie nicht nur hinterher auf der Premierenparty den Filmsong „Beyond the Sea“ darbieten, sondern vorher auch über den roten Teppich paradieren würde.

Tat er aber nicht, statt dessen kamen Heino Ferch, Til Schweiger und Oliver Kalkofe. Letzterer hat zwar noch nie einen Fisch synchronisiert dafür aber schonmal den zweiten Bären in Dr. Doolittle.

Der glamouröse Höhepunkt blieb doch der für 23.30 Uhr avisierte Auftritt von Robbie Williams. Lange war es ein Geheimnis, wo die Feier steigen würde, aber kurz vor dem Film wurde es bekannt: Robbie singt nicht unter Wasser sondern unter der Erde – im leer stehenden U-Bahnhof am Reichstag.

„Beyond the sea“ – kein originaler Filmsong, Williams hatte ihn vor zwei Jahren veröffentlicht. Zum Film befragt, hat er übrigens in einem Interview erzählt, dass er sich durchaus mit dem Titelfisch identifizieren kann: „Ob ich mich jemals wie ein Fisch auf dem Trockenen gefühlt habe? Ja, eigentlich jeden Tag.“ Blub. Blub.

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