Berlin : Frischfleisch selber prüfen: Scanner für Verbraucher im Test

Rainer W. During

Verkäufer von Gammelfleisch sollen bald keine Chance mehr haben. Wenn alles klappt, können Verbraucher bald sogar selbst mit einer Art Laserpistole am Verkaufstresen oder an der Kühltruhe binnen Sekunden testen, ob es sich um einwandfreie Ware handelt. Berliner Wissenschaftler arbeiten an der Entwicklung eines solchen Frische-Scanners.

Der „FreshScan“ wird mit Laserstrahlen arbeiten, die je nach dem Zustand des Fleisches unterschiedlich gestreut und reflektiert werden. Das zurückgeworfene Licht wird im Gerät unter anderem mit Hilfe der sogenannten Raman-Spektroskopie analysiert. So lässt sich Gammelfleisch bereits erkennen, bevor man es sehen und riechen kann. Ziel der Forscher ist es, ein Verfahren zu entwickeln, das auch bei gefrorenem Fleisch funktioniert, so Georg Weigelt vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IGM) in Mitte. Dort wird das Projekt koordiniert.

Beteiligt sind neben der Karlsruher Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel das Ferdinand-Braun-Institut für Hochfrequenztechnik in Adlershof, das Berlin Center for Advanced Packaging der Technischen Universität sowie das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim. Dort hat man bereits ein mobiles Laser-Spektrometer zur Messung des Frischegrades von Früchten entwickelt. Ende nächsten Jahres soll der erste Prototyp getestet werden, so Georg Weigelt. Wenn der „FreshScan“ serienreif ist, sollen damit zunächst die amtlichen Prüfer ausgestattet werden, sagt sein Kollege Harald Pötter. Was das Gerät einmal kosten wird, steht noch nicht fest.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Entwicklung des Frische-Scanners mit drei Millionen Euro. Zu dem Projekt gehört auch ein Sensorchip, der künftig an jedem Stück Fleisch befestigt werden soll. Als „intelligentes Etikett“ wird er sämtliche Verarbeitungs- und Transportdaten wie Zeit, Temperatur, Feuchte und Lichteinfall aufzeichnen. So lässt sich der Weg vom Erzeuger bis zum Verbraucher lückenlos nachvollziehen und etwa jede Unterbrechung in der Kühlkette nachweisen. Gänzlich wird sich ein Etikettenschwindel auch bei dem Elektronikchip nicht ausschließen lassen, räumt Harald Pötter ein. Man könne aber Betrügern die Arbeit sehr erschweren. Wenn sich „FreshScan“ bewährt hat, soll das System auch bei anderen Lebensmitteln zum Einsatz kommen.

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