Berlin : Friseur Fritz Kasper: Waschen, Legen, Fönen wie ein Weltmeister

Michael Brunner

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ganz normales Schneiden, Waschen und Legen, aber es geht um einen Wettkampf. Friseurmeister Fritz Kasper aus Weißensee ist schon ganz aufgeregt und erwacht am frühen Morgen aus Träumen von tollen Frisuren und perfekten Methoden. Das ist kein Wunder, denn der 59-jährige Handwerker bereitet sich bereits seit Juni auf seine erste Weltmeisterschaft vor. Und da die WM der Friseure mit dem flotten Titel "Hair World 2000" vom 1. bis zum 3. Oktober (Messegelände, Halle 25, Publikumstag am 3. Oktober) erstmals in Berlin stattfindet, ist es eine doppelte Premiere.

Über 1000 Profis aus 50 Ländern wollen ihr Können zeigen. Fritz Kasper tritt am 2. Oktober ab 12 Uhr auf. "Damit erfüllt sich für mich ein Lebenstraum", sagt er und erzählt von stundenlangem Probieren an Übungsköpfen und wochenlanger Arbeit mit seinem Model, einer jungen Berlinerin. Der Friseurmeister ist seit 1967 selbstständig und hat zahlreiche Lehrlinge auf dem Weg zum Gesellenbrief begleitet. Sein Motto: "Alles was ich weiß, gebe ich gern weiter." Für die Handwerkskammer war seine Arbeit so überzeugend, dass sie Kasper 1999 zum "ausgezeichneten Lehrausbilder" kürte.

Alles begann im August 1941, als Fritz Kasper in Lichtenberg geboren wurde. Dort ging er auch zur Schule und lernte "bei Arthur Müller" in der Lückstraße, wie man Haare schneidet, wäscht, toupiert, legt, färbt und wie man fachmännisch die Kopfhaut massiert. Seine Eltern hatten einen Friseurladen in der Normannenstraße gegenüber der früheren Stasizentrale. So kam es, dass ein Teil der Kundschaft ziemlich schweigsam war und lieber zuhörte. Fritz Kasper wollte eigentlich Elektromonteur werden. Doch die Eltern schüttelten die Köpfe. 1959 bestand Kasper die Gesellenprüfung als Friseur, 1965 folgte der Meisterbrief. Er war Mitglied der Modekommission Berlin sowie der Arbeitsgemeinschaft Mode und brachte bereits vor dem Mauerfall zahlreiche Pokale und Urkunden nach Hause.

Die DDR hat er sich nie zurückgewünscht: "Heute habe ich zwar weniger Zeit, aber mehr Möglichkeiten." Beispielsweise die, in Seminaren die Hintergründe des richtigen Wirtschaftens kennen zu lernen und "Betriebswirt des Handwerks" zu werden. Sein Tipp an Existenzgründer: "Fachwissen allein genügt nicht, man muss haushalten können." Er hat zwei Töchter und einen Sohn. Die ältere Tochter ist dem Vorbild des Vaters gefolgt und Friseurin geworden. Der Friseurmeister nimmt seine feine Titanstahlschere aus dem Halfter und lässt mit geübtem Griff die Klingen schnappen.

Fritz Kasper hat viel erreicht, er beschäftigt in zwei Läden in Lichtenberg (Passage Volkradstraße) und Weißensee (Pistoriusstraße 117) neun Mitarbeiter und sechs Lehrlinge. Warum will er zur Weltmeisterschaft? Was bringt ihn dazu, sich mit 59 Jahren unnötigen Stress zu verschaffen und viel Geld in die Vorbereitungen zu stecken? "Ich will mich weiterentwickeln und die tolle Atmosphäre spüren. Bei der WM gibt es Trainer, die mir genau sagen, wo ich stehe." Am 2. Oktober wird Fritz Kasper zunächst eine halblange Frisur nur mit bloßen Händen und Fön hinkriegen müssen. Anschließend muss er der Jury zeigen, wie gut und schnell er einen Kurzhaarschnitt hinkriegt. Dies alles bei laufender Stoppuhr - ein Frisieren der Ergebnisse ist also ausgeschlossen.

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