Berlin : Friseurin streitet mit der Innung um die beste Ausbildung

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Ursula Fischer versteht die Welt nicht mehr. Jedes Jahr im Sommer die gleiche Klage: Es gibt zu wenig Ausbildungsplätze für Schulabgänger. Gern hätte die Geschäftsführerin der Pankower Friseur GmbH im September 40 Azubis eingestellt. Wie jedes Jahr. Jetzt darf sie das nicht mehr. Innung und Handwerkskammer haben damit gedroht, der GmbH die Zulassung zur Ausbildung abzuerkennen. Denn Ursula Fischer arbeitet anders als die Verbände es vorschreiben.

Ende 2000 hat das Unternehmen mit rund 25 Filialen und 300 Mitarbeitern ein eigenes modernes Ausbildungsstudio eingerichtet. Dort werden zur Zeit rund 100 Azubis aus drei Lehrjahren zentral unterrichtet, bevor sie dann wieder für drei Monate in die einzelnen Geschäfte geschickt werden. Zuvor hatte die Friseur GmbH, wie andere Betriebe, ihre Azubis zur überbetrieblichen Ausbildung der Innung geschickt. Das sei nun nicht mehr nötig, findet Fischer.

Die Innung sieht das anders, und genau da liegt das Problem. Eine Woche pro Ausbildungsjahr dauert die überbetriebliche Ausbildung und kostet pro Azubi und Jahr 190 Euro. Das sind mehr als 20 000 Euro pro Jahr. Rund 600 000 Euro hat das Unternehmen bislang in die Ausbildung seiner Lehrlinge gesteckt. „Ich bin nicht in der Lage, jetzt auch noch die Kurse bei der Innung zu finanzieren“, sagt Fischer. Und genau darum gehe es, nicht um die Ausbildung, sondern ums Geld, glaubt sie. Handwerkskammer und Innung hätten erst im vergangenen Jahr einen Beschluss gefasst, wonach die überbetriebliche Ausbildung für jeden Lehrling Pflicht ist. Ursula Fischer findet: „Unsere Azubis lernen dort nichts dazu.“

In der Innung dagegen besteht man auf Recht und Ordnung. Die Teilnahme an der überbetrieblichen Ausbildung solle ein einheitliches Niveau sicherstellen, unabhängig von Intensität und Umfang der betrieblichen Ausbildung, heißt es in einer Erklärung. Dass die Ausbildung der Pankower Friseur GmbH besser ist als die überbetriebliche, bestreitet die Friseurinnung. Wer gegen die Regelung verstoße, müsse mit Sanktionen rechnen. Jetzt will sich Wirtschaftssenator Gregor Gysi um den Erhalt der Ausbildungsplätze kümmern und lässt die Sache prüfen. Denn eindeutig ist die Sachlage nicht. So hat zum Beispiel die Potsdamer Handwerkskammer ihre Azubis von der überbetrieblichen Ausbildung befreit. akl

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