Fritz-Lang-Filmreihe im Babylon : Wie die Briefe tanzen lernten

Das Babylon zeigt eine Fritz-Lang-Reihe, darunter auch „Der müde Tod“.

Andreas Conrad
Szene aus "Der müde Tod" von 1921 unter der Regie von Fritz Lang.
Szene aus "Der müde Tod" von 1921 unter der Regie von Fritz Lang.Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

Wie bringt man als Filmregisseur einen Brief zum Tanzen? Aber keinen normalen im Format DIN A 4, vielmehr eine meterlange Papierschlange – die an Hofzauberer A Hi gerichtete Anweisung des Kaisers von China, sich zu dessen nahendem Geburtstag baldigst ein paar neue Kunststückchen auszudenken, anderenfalls...

Da ist die Ratlosigkeit groß, doch wie zum Beweis seiner magischen Kräfte lässt A Hi erst mal den Brief verschwinden. Gleich der einem Schlangenbeschwörer verfallenen Kobra richtet sich der Brief auf, tänzelt anmutig hin und her – und schlängelt sich Richtung Himmel davon. Die Zuschauer bekamen den Mund gar nicht mehr zu vor lauter Staunen.

Jedenfalls nicht bei der Berliner Doppelpremiere von Fritz Langs „Der müde Tod“ am 7. Oktober 1921. Heutiges Publikum mag dessen Spezialeffekte eher rührend finden, damals aber feierte „der Kinotrick wahre Triumphe“, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ nach der Premiere jubelte. Lang hat die Stop-Motion-Animation nicht erfunden, aber doch zu früher Vollendung gebracht. Bild für Bild habe er mit der Kamera aufgenommen, dazwischen das Papier immer wieder ein wenig weiter gedreht, berichtete der für die China-Episode verantwortliche Filmarchitekt Robert Herlth. „Wir waren allesamt erstaunt, als wie die Muster gesehen haben, wie perfekt der Trick gelungen ist.“ Und es war nicht der einzige: ein fliegender Teppich, eine Spielzeugarmee, die zu Füßen des Kaisers aus einem Kasten marschiert, Menschen, die sich in Tiere verwandeln, eine Tür, die sich in einer Mauer öffnet – die Zuschauer bekamen was für ihr Geld.

Die Filmmusik kommt von der Kinoorgel

Die Wiederaufführung von Langs „Der müde Tod“, eine märchenhaften Geschichte um ein junges Paar und die vergeblichen Versuche der Frau, ihren Geliebten dem Tod zu entreißen, war einer der großen Momente der diesjährigen Berlinale. Mit einigen Aufführungen im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz kehrt der Film jetzt ins Kino zurück. Mit dem Bertelsmann-Konzern als Hauptsponsor hatte die Murnau-Stiftung auf dem Festival eine digital restaurierte Fassung von Langs erstem großen Erfolg präsentiert – nicht in Schwarzweiß wie gewohnt, sondern eingefärbt wie das Original. Doch während es zur Premiere eine frisch komponierte und orchestral aufgeführte Filmmusik gab, wird der Film im Babylon von dessen Organistin Anna Vavilkina an der hauseigenen, wie das Haus aus dem Jahr 1929 stammenden Kinoorgel begleitet. „,Der müde Tod’ ist ein sehr mystisch-symbolischer Film, stark in der romantischen Tradition verwurzelt, weshalb ich mich der musikalischen Sprache der Romantik bedienen werde“, erläutert die Musikerin ihre Aufgabe. „Bilder wie die Kapelle mit den vielen Kerzen, die menschliches Leben symbolisieren, harmonieren sehr gut mit dem Klang der Pfeifenorgel. Da kann man die Kinoorgel mal als Kirchenorgel klingen lassen!“

„Der müde Tod“ steht im Mittelpunkt einer Babylon-Reihe von Stummfilmen Langs, die von Anna Vavilkina an der Kinoorgel begleitet werden. Auch die restaurierte „Metropolis“-Fassung ist darunter, die vor Jahren ebenfalls auf der Berlinale gezeigt wurde, und auch „Spione“, Langs Thriller von 1927 um einen namenlosen, nur mit einer Nummer gekennzeichneten Agenten: 326. Man könnte sagen: ein Vorgänger von 007.

Babylon, Rosa-Luxemburg-Platz; „Der müde Tod“, 1., 4., 5. März, 20 Uhr, 6. März, 18 Uhr; „Metropolis“, 2. März, 20 Uhr; „Dr. Mabuse, der Spieler“ (Teil 1), 7. März, 19.30 Uhr; „Dr. Mabuse, der Spieler“ (Teil 2), 9. März, 19.30 Uhr; „Die Nibelungen – Siegfried“, 10. März, 19.30 Uhr; „Die Nibelungen – Kriemhilds Rache“, 11. März, 19.30 Uhr; „Spione“, 14. März, 19.30 Uhr

» Jamaika-Aus: Wie geht es weiter? Jetzt E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben