Berlin : Fritzes letzte Freude

Die Urne des Politaktivisten Teufel ist wieder da Polizei glaubt an eine gut geplante Spaßaktion

Einsatz Friedhof. Die Urne von Fritz Teufel ist in Dahlem wiederaufgetaucht.
Einsatz Friedhof. Die Urne von Fritz Teufel ist in Dahlem wiederaufgetaucht.Foto: dpa

Es ist ein eher ungewöhnliches Bekennerschreiben. „Fritze hätte seine Freude gehabt“, stand in Handschrift auf dem kleinen Zettel. Eine Woche lang galt die Urne des Politaktivisten Fritz Teufel als entführt, Freitag früh haben Arbeiter sie auf dem St.-Annen-Friedhof in Dahlem entdeckt – am Grab von Rudi Dutschke. Teufel hatte den Studentenführer in den 60er Jahren in Berlin kennen- und schätzen gelernt. An seinem Dahlemer Grab fanden die Friedhofsarbeiter nun eine Kiste, darin lagen Teufels Urne und das Bekennerschreiben.

Unbekannte hatten die Urne, wie berichtet, vor einer Woche auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße in Mitte ausgebuddelt. Auch dort war ein Zettel mit Anspielungen gefunden worden – mit derselben Handschrift: „Ein teuflischer Spaß ist beendet. Fritze hätte an solch’ einer Aktion seine Freude gehabt. Aber jetzt muss wieder Ruhe und Frieden um das Teufelchen einkehren. Die Urne wurde nicht geöffnet.“

Der letzte Satz erweist sich nun als besonders bedeutsam. Denn auf dem Prominentenfriedhof an der Chausseestraße hatte die Polizei lose Asche neben dem aufgewühlten Grab gefunden. Weil die Ermittler vermuteten, dass es sich hierbei um Teufels sterbliche Überreste handelte, hatten Polizisten die Asche aus Pietätsgründen mit Handfeger und Schaufel zusammengekehrt. Die Kriminaltechnik bestätigte gestern, dass Teufels Urne versiegelt und ungeöffnet ist. Der Friedhof in Mitte, der die von der Polizei zusammengekehrte Asche bereits wieder beerdigt hat, brachte also vermutlich nichts anderes als verbranntes Papier oder Holz unter die Erde.

Offenbar gab es keinen Diebstahl, sondern nur eine „Aktion“, hieß es gestern im Polizeipräsidium. „Die wollten uns auf den Arm nehmen.“ Diese Theorie hatte auch einer von Teufels langjährigen Weggefährten, Rainer Langhans, vor wenigen Tagen im Tagesspiegel vertreten. Langhans vermutet sogar, dass Teufel zu Lebzeiten den Diebstahl der Urne selbst in Auftrag gegeben habe: „Das hätte zu ihm gepasst, das hätte auf jeden Fall seiner Art entsprochen“, sagte der frühere Mitbewohner in der Kommune I. Die Beerdigung am 15. Juli jedenfalls sei „zu traurig, zu düster und traditionell“ gewesen. „Unser Ziel war immer ein besseres Leben, dazu gehört eben auch ein besseres, ein lustigeres Sterben“, ließ sich Langhans weiter zitieren.

Womöglich habe der seit langer Zeit schwer kranke Teufel seine arg traditionelle Beerdigung vorausgesehen und deshalb in weiser Voraussicht Freunde gebeten, nach seinem Tod die Grabschändung zu inszenieren. Rund 300 Trauergäste hatten von Teufel am 15. Juli Abschied genommen. Er war im Alter von 67 Jahren an Parkinson gestorben.

Die Polizei, so teilte gestern das Präsidium mit, ermittelt nun weiter wegen Störung der Totenruhe. Noch immer heißt es: gegen unbekannt. Ha

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