Berlin : Fröhliches Ja zur eigenen Kirche Festgottesdienst für den 100-jährigen Berliner Dom

David Ensikat

Dieselben Lieder hat der Kaiser hier vor hundert Jahren schon gesungen: „Allein Gott in der Höh sei Ehr’“, „Großer Gott, wir loben dich“ (darin sehr schön: „Alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: ,Heilig, heilig, heilig!‘ zu“), „Ein feste Burg ist unser Gott“ . Gestern um zehn also dieselben Lieder, 1500 Menschen singen zum 100. Domjubiläum auf den Kirchenbänken mit, draußen drängen sich viele weitere, so übervoll ist es hier sonst nur zu Weihnachten.

Als Denkmal staatskirchlicher Herrlichkeit hat ihn der Kaiser hier vor hundert Jahren bauen lassen, von seinem Oberhof- und Domprediger, Ernst Hermann von Dryander, ließ er sich feiern: „Der Hohenzollernfürst – erster Bekenner des Landes“ – und was erzählt uns Berlin-Brandenburgs Bischof Wolfgang Huber heute? Er verweist auf den Spruch an der Kanzel: „Des Herren Wort bleibet ewiglich“. Er sagt, dass die Majestät dieses Hauses auf die Majestät Gottes hindeutet und verschweigt auch nicht, dass die Predigten hier mal ganz anders klangen, triumphierend, vor Selbst- und Sendungsbewusstsein strotzend. Lange vorbei sei das, inzwischen sei der „mächtige Dom“ in der Mitte Berlins, der während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt und zur DDR-Zeit wiederhergestellt worden war, auch zu einem Ort des gemeinsamen Klagens in Krisen und nach Katastrophen geworden, ob nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, nach dem Beginn des Irak-Krieges oder nach dem Seebeben im Indischen Ozean – hier seien die Menschen zusammengekommen, um Zuflucht zu Gottes Wort zu nehmen, Trost zu suchen und Kraft zu schöpfen.

Nicht das Evangelium brauche die Dome, sagt Huber, aber die Welt könne sie brauchen – als Zeichen der Gnade Gottes. Der Hohenzollern-Bau sei auch eine „Kathedrale protestantischer Selbstverpflichtung“, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, und er mahnt, die Not bedürftiger Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Der Berliner Dom und seine hundertjährige Geschichte verpflichteten, das Gebot der Liebe zum Nächsten aus den Kirchen hinaus auf Straßen und Plätze zu tragen. Wie Berlins Wahrzeichen weithin sichtbar das Stadtbild präge, so sollten auch die Protestanten offener zu ihrem Glauben stehen: „Ein fröhliches Ja zur eigenen Kirche“ forderte Huber.

Und dann blickt Wilhelm Hüffmeier von der Union evangelischer Kirchen in den Seelenhaushalt des hundertjährigen Hauses: „Wie gern sähe der Dom seine weltliche Schwester an seiner Seite: das Schloss!“ Vom Volk auf den Kirchenbänken erhält er dafür Beifall. Ein Hohenzollernbau eben.

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