Berlin : Frohe Weihnachten!

28 000 Orthodoxe feiern jetzt das Fest nach ihrem Kalender – mit Christbäumen und Ikonen.

Pavel Lokshin
Foto: imago stock&people

Die Feiertage sind vorbei? Nicht bei allen Berlinern. Für etwa 28 000 Einwohner dieser Stadt geht Weihnachten gerade erst los. Denn heute begehen russisch- und serbisch-orthodoxe Gläubige den ersten Weihnachtstag. Denn nach dem julianischen Kalender ist erst heute der 25. Dezember. Die sogenannten Altkalendarier widersetzten sich im 16. Jahrhundert der gregorianischen Kalenderreform. Es gibt sie auch in Äthiopien, Syrien, Georgien und Armenien.

Dagegen orientieren sich die griechisch-orthodoxen Gemeinden am sogenannten neujulianischen Kalender, dieser entspricht bis zum Jahr 2800 dem gregorianischen, also dem auch in Deutschland geläufigen. Auch orthodoxe Bulgaren, Rumänen und Albaner sind sogenannte Neukalendarier. Alles also nur eine Frage des Kalenders?

„So ist es nicht ganz“, erklärt Hans- Georg Liepelt, Kirchenältester der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor in Lankwitz. Natürlich feiern die Gläubigen die Geburt Christi – wie die westlichen Christen. Zum orthodoxen Weihnachtsfest gehören der Christbaum und die Weihnachtsikone, welche die Geburt Christi darstellt. Im Vergleich zum Osterfest werde aber nicht opulent gefeiert.

Der Stellenwert des Festes ist für orthodoxe Gläubige ein anderer. „Auch im Christentum sollte Weihnachten gar nicht das Fest der Feste sein“, erklärt Liepelt, „Ostern kommt doch die zentrale Bedeutung zu.“ In Westeuropa verschiebe sich der Fokus aber auf Weihnachten – jedenfalls im Bewusstsein der Menschen.

In der kleinen Gemeinde in Lankwitz gibt es heute keine Weihnachtsfeier. Ob andere Gemeinden wie die russisch-orthodoxe am Hohenzollerndamm feiern, war am Montag nicht zu erfahren.

Am 24. Dezember waren Liepelt und seine Familie bei einer evangelischen Weihnachtsfeier, weil Freunde sie eingeladen hatten. Da vermisste Liepelt einiges. Im orthodoxen Ritus sollten „alle Sinne angesprochen werden“, nicht bloß der Verstand. „Für einen Protestanten ist ein orthodoxer Gottesdienst eine andere Welt“, meint Lippelt. „Der Chor singt, es gibt Weihrauch und Ikonen.“

Heute geht Lippert zum Gottesdienst in die syrisch-orthodoxe Georgios-Gemeinde in Zehlendorf. Dass die Liturgie dort auf Arabisch abgehalten wird, stört ihn nicht. Pavel Lokshin

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