Berlin : Frontal auf Polizisten losgefahren

20-Jähriger nach Attacke wegen Mordversuchs vor Gericht

Kerstin Gehrke

Als er den Uniformierten mit der beleuchteten Kelle in der Hand sah, bremste René L. zuerst. Plötzlich aber gab er wieder Gas. Auf der Flucht vor einer Verkehrskontrolle fuhr der 20-Jährige direkt auf den Polizisten auf der Straße zu. Über acht Meter wurde der Beamte durch die Luft geschleudert und schwer verletzt. Das will der 20-jährige L. nicht bemerkt haben. „Ich habe den Polizisten gesehen und Panik bekommen“, sagte er vor einer Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts. Dort muss er sich seit gestern wegen versuchten Mordes verantworten.

René L. wusste, dass eine Kontrolle für ihn Folgen haben würde. Er hatte keinen Führerschein, an seinem roten VW Polo waren gefälschte Kennzeichen, und er hatte Bier getrunken und Drogen genommen. Ein Freund habe ihn zu der Fahrt in der Nacht zum 1. Juli vergangenen Jahres „überredet“, behauptete er vor Gericht. Diesem Freund wollte er auch die Schuld in die Schuhe schieben. Sascha sei gefahren, hatte er in ersten Vernehmungen behauptet. Auch im Prozess sprach L. immer wieder von Sascha. Der Kumpel habe ihn darin „bestärkt“, vor der Verkehrskontrolle in der Kurfürstenstraße zu fliehen.

Angeblich aber wollte er an dem Beamten vorbeifahren, ihn auf keinen Fall verletzen oder gar töten. „Ich zog nach rechts, aber zufällig muss er in dem Moment einen Schritt in meine Richtung gemacht haben“, sagte der Angeklagte. Lediglich einen „leichten Knall“ habe er mitbekommen. Nur zwei Querstraßen weiter stellten er und sein Freund den Wagen ab. Mit einem Taxi fuhren sie zu L. in seine Moabiter Wohnung. Dann habe er das gemacht, was für ihn damals sein Leben gewesen sei: „Wir haben weiter getrunken, vielleicht auch noch ein paar Ecstasy-Pillen eingeworfen.“

Der 41-jährige Lutz H. kam mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Knapp zwei Monate war er krank geschrieben. „Ich bin jetzt wieder der Alte“, sagte der Beamte den Richtern. Er habe die Attacke „gut weggesteckt“. Erinnern aber kann er sich daran nicht mehr. „Ich weiß nur, dass da ein rotes Auto war und ich die Kelle hob.“ Bei der Aussage des Opfers sah die Rechtsanwältin immer wieder in Richtung des Angeklagten. In ihrem Blick schien eine Aufforderung zu liegen. Doch René L. reagierte nicht. Er stand nicht auf, um sich bei H. zu entschuldigen. Vielleicht fehlten ihm die Worte. Vielleicht dachte er auch, dass es mit dem Brief, den er aus der Haft an Lutz H. geschrieben hatte, erledigt sei. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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