Berlin : Frontstadt Berlin

Am 22. April 1945 dringt die Rote Armee in die östlichen Bezirke vor. Der Häuserkampf entbrennt. Hitler fühlt sich von seinen Generälen verraten

Richard Lakowski

Schukows Truppen dringen am 22. April 1945 über Buchholz, Heinersdorf nach Pankow vor und nehmen Weißensee ein. Die Frontlinie erstreckt sich von Gesundbrunnen und entlang der Bernauer Straße. Die Ortsteile Lichtenberg und Friedrichsfelde sind fast erobert, durch Kaulsdorf und Mahlsdorf dringt die Rote Armee bis in den Nordteil von Biesdorf durch. Hart umkämpft ist auch der Bahnhof Köpenick, der bei den Gefechten mehrmals den Besitzer wechselt.

Die Millionenstadt Berlin ist zum Schlachtfeld geworden. Der Stadtkommandant, General Reymann hatte, um die „Festung“ effektiver verteidigen zu können, die Evakuierung der Hauptstadt gefordert. Das technisch ohnehin undurchführbare Vorhaben lehnte Goebbels in seiner Funktion als Reichsverteidigungskommissar ab. Noch am Vortage waren die Lebensmittelzuteilungen aufgerufen worden, die normalerweise erst Ende des Monats und zu Beginn des folgenden hätten verteilt werden sollen. Danach wird eine geregelte Versorgung bei längeren Kämpfen aufgegeben. In den Stadtteilen, die noch nicht besetzt oder umkämpft sind, stehen die Berliner nach den Lebensmitteln sowie Sonderzuteilungen an, darunter Reis, Zucker und dreißig Gramm Bohnenkaffee.

Noch hoffen Hitler und seine Generäle verhindern zu können, dass die Stadt eingekreist wird. Tags zuvor waren Befehle an die bei Liebenwalde stehende Armeeabteilung Steiner gegangen, den nördlichen Umfassungsflügel durch eine Gegenoffensive anzuhalten. Im Süden sollte die 9. Armee den Vorstoß der von Marschall Konew geführten 1. Ukrainischen Front angreifen und zum Stehen bringen. Beide waren hierzu nicht mehr in der Lage.

Konew war erfolgreicher als der mit ihm rivalisierende Schukow. Seinen Truppen gelang es im ersten Ansturm, die Neiße zu überwinden. Am 17. April – Schukow kämpfte noch um den Einbruch auf die Seelower Höhen – erhielt sein Rivale aus Moskau die Genehmigung, seine Panzerverbände auf Berlin einzudrehen. Sie gelangten, nur von schwachen Kampfgruppen und Volkssturm behindert, am 19. April bis Zossen und Luckenwalde. In der Nacht zum 21. April stoßen die Spitzen der 3. Gardepanzerarmee bis zur Stadtgrenze Berlins bei Stahnsdorf vor.

Im Norden erreichen die sowjetischen Panzerspitzen Oranienburg und dringen bis in den Norden von Spandau vor. Hitler setzt seine Hoffnungen auf Steiner, der mit seinem Angriff bis 21 Uhr beginnen soll, aber sich nicht meldet. Während der Lagebesprechung gerät der „Führer“ außer sich. Er bezichtigt alle des Verrats und verkündet in Berlin zu bleiben und hier zu siegen oder unterzugehen.

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