Berlin : Frost sprengt Risse ins Holocaust-Mahnmal

In einigen der Betonstelen haben sich feine Spalten gebildet. Repariert wird erst nach dem Winter

Anne-Dore Krohn

Häufig sanken die Temperaturen in diesem Winter noch nicht unter Null. Doch für das Holocaust-Mahnmal war das offenbar schon zu viel: In einigen der 2711 Betonstelen haben sich Risse gebildet. Die Stiftung des im Mai eröffneten Denkmals, zuständig für den Unterhalt des Stelenfeldes, hat dies bereits bei der Baufirma Geithner und Söhne im brandenburgischen Joachimsthal beanstandet. Die feinen vertikalen Spalten waren Sicherheits- und Reinigungsleuten aufgefallen.

Laut Stiftungssprecher Uwe Neumärker sind etwa ein Dutzend Stelen beschädigt – vermutlich durch in winzige Haarrisse einsickerndes Regenwasser, das sich beim Gefrieren ausdehnt und die Spalten noch erweitert. „Die genauen Ursachen werden aber noch geprüft“, sagte Neumärker gestern.

Laut Michael Kaminski, dem Projektleiter bei Geithner und Söhne, „ist nichts Ungewöhnliches passiert. Niemand kann rissfreien Beton herstellen, auch wir nicht“. Die höchstzulässigen Rissweiten sind sogar vertraglich festgelegt worden: Zwischen 0,10 und 0,15 Millimetern sind demnach erlaubt. Kaminski sagte, dass an drei Stelen diese Grenzwerte überschritten wurden. „Der Beton ist aber immer noch hochwertig“, betonte der Projektleiter.

Auch bei der Stiftung gibt es keine Aufregung: „Ich bin überhaupt nicht beunruhigt“, sagt Sprecher Neumärker, „die Stelen sind weder morsch noch unstabil.“ Auch einige abgeplatzte Ecken und Kanten gehören für ihn zu den normalen Abnutzungserscheinungen: „Wenn man so eine Skulptur mitten in Berlin aufstellt, donnert eben mal jemand mit dem Kinderwagen oder einem Fotostativ dagegen.“

Lange vor Baubeginn des Denkmals war ausgiebig beraten worden, um die richtige Rezeptur für den stahlgraublauen, sehr glatten und scharfkantigen Beton zu finden. Später wurden Materialprüfungen unternommen: Die Quader wurden auf fast 100 Grad erhitzt und dann mit Eiswasser begossen. Dennoch zeigten sie nur feine Risse, die sich aber auch wieder zusammenzogen.

Bis März soll nun beobachtet werden, welche Schäden der Winter womöglich noch anrichtet. Dann wird entschieden, ob und wie sie ausgebessert werden. Eine allgemein verwendete Technik, um Betonspalten auszufüllen, ist eine Injektion von Kunstharz. Mit Kunststoff könnten auch die abgeplatzten Stellen ausgebessert werden. Für die Mängel haftet die Baufirma Geithner Bau, sie muss daher die Reparaturkosten übernehmen. Über deren Höhe ist noch nichts bekannt.

Bereits im Dezember musste der unterirdische „Ort der Information“ unter dem Stelenfeld wegen baulicher und technischer Mängel nachgebessert werden.

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