Berlin : Frostig schweigen

Werner van Bebber

Zugegeben: Wir sind alle mitschuldig. Wir alle wiegen die Meteorologen in dem Glauben, ihre so genannten Vorhersagen seien wichtig. Viele Tage vor dem 24.12. ging es los. Erst war die weiße Weihnacht ungewiss, dann sagten die Seher voraus, es werde etwas nieseln, vielleicht auch regnen, aber nicht schneien. Jetzt sehen sie den Schnee am zweiten Weihnachtstag rieseln, aber nicht liegen bleiben – der Boden sei nicht kalt genug. Sollte es aber doch so kalt werden, dass der Schnee liegen bleibt, werden sie genau erklären können, warum sich dieses Wetterphänomen nicht vorhersagen ließ. Hätte die Wettervorherlügerei nicht immer auch etwas mit stillen Hoffnungen und enttäuschten Erwartungen zu tun – man könnte die Propheten in ihren Instituten sich selbst und der langfristigen Klimaforschung überlassen. Aber gerade jetzt vor Weihnachten, wo wir alle so erschöpft und sensibel sind, kann man von den Meteorologen doch etwas Einfühlung erwarten: Wenn sie nichts Schönes zu versprechen haben, sollen sie schweigen. Wegen Einkaufsstress keine Vorhersage.

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