Berlin : Früh fördern, mehr prüfen

Das neue Schulgesetz tritt in Kraft und bringt zahlreiche Änderungen

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Das neue Berliner Schulgesetz ist gestern formal in Kraft getreten. Die Koalitionsmehrheit von SPD und PDS hatte es am 15. Januar im Abgeordnetenhaus beschlossen. Nach Worten von Schulsenator Klaus Böger (SPD) ist es das erste Schulgesetz in Deutschland, das unmittelbar Konsequenzen aus dem schwachen deutschen Abschneiden in der Bildungsstudie Pisa ziehe.

Künftig werden Kinder in Berlin schon im Alter von fünfeinhalb Jahren eingeschult. Bis zum Abitur gibt es dann in Zukunft nur noch 12 statt bisher 13 Schuljahre. Die Abschlussprüfungen Mittlere Reife und Abitur sollen ab 2006 beziehungsweise 2007 landesweit zentral abgenommen werden. Das neue Gesetz stärkt auch die Mitbestimmung von Eltern und Schülern. Außerdem erhalten die Schulleitungen mehr Selbstständigkeit und können selbst über Teile des Etats verfügen.

Wegen der verkürzten Zeit bis zum Abitur wird Unterricht zunehmend auch an den Nachmittagen und am Samstag abgehalten werden. Die 32 000 Lehrer in der Stadt sollen außerdem mehr als bisher auf die Qualität ihrer Arbeit überprüft werden. Auch die 445 000 Schüler müssen mehr Tests über sich ergehen lassen: Vor der Einschulung stehen in Zukunft Sprachtests. Treten dabei Schwächen zutage, ist spezielle Förderung Pflicht. Gerade auch Kinder, die mit einer fremden Muttersprache aufwachsen, sollen verstärkt Deutschunterricht erhalten.

Der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats, Günter Piening, sagte, die im Schulgesetz verankerte Sprachförderung schon vor der Einschulung sei nicht als bloße Verpflichtung zu verstehen. Auch die Eltern von Migrantenkindern könnten dadurch „ermuntert werden, mehr mitzumachen“. Er sehe allerdings das Risiko durch die Abschaffung der Vorklassen. Die FDP forderte unterdessen ein verpflichtendes Jahr Vorschule. Besonders Migrantenkinder würden die Angebote der Kindertagesstätten zu wenig nutzen und kämen schlecht vorbereitet in das erste Schuljahr, sagte die schulpolitische FDP-Sprecherin, Mieke Senftleben.dpa

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